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Was es uns wert ist….“-

Leserbrief zur Diskussion über Ehrenamt, Wertschöpfung und die (ökonomische) Zukunft der Weltläden in „Welt und Handel“, Juli 2018

 Wir vom Weltladen Kressbronn begrüßen es, dass endlich eine Diskussion zum Themenkomplex Ehrenamt und Wirtschaftlichkeit der Weltläden zustande kommt. Wir beobachten schon seit Jahren, dass der Faire Handel zwar jährlich wächst, aber eben kaum im Gesamtbereich der den Weltläden. Insbesondere bei Lebensmitteln haben Supermarktketten und Diskounter den Imagewert eines TransFair-Siegels erkannt und nehmen immer mehr solchermaßen gesiegelte Waren in ihr Sortiment auf. Aufgrund ihrer Betriebsgrößen können sie es sich leisten, die Preise der Weltläden zu unterbieten und insbesondere die Discounter erwecken den Anschein, dass billig und fair gehandelt zusammenpassen. Es sind insbesondere zwei Akteure, die zu dieser Situation beigetragen haben: Eine Großhandelsorganisationen des Fairen Handels (GEPA), die bereitwilligst an diese Handelsorganisationen liefert (vermutlich zu günstigeren Preisen als es die Weltläden bekommen) und die Siegelorganisation TransFair, die die Anforderungen für dieses Siegels immer weiter herunter geschraubt hat. Noch seltsamer mutet es an, wenn gleiche Waren unterschiedlich gesiegelt werden: für Diskounter und Handelsketten mit dem Transfair-Siegel, für Weltladen z. B. mit dem Eigensiegel von GEPA Wir Ehrenamtliche haben schon länger das Gefühl, dass wir, die wir am Ende der Wertschöpfungskette stehen, ausgenutzt werden und andere den Mehrwert der Fair-Handel-Idee abschöpfen. Man kann das ungerecht nennen, aber es entspricht leider den herrschenden, marktwirtschaftlichen Prinzipien. Die Weltläden müssen sich dieser Ungleichbehandlung und Doppelzüngigkeit stellen und mit wirksamem Mitteln reagieren. So könnte der Weltladen-Dachverband eine aktivere Rolle einnehmen und die die gebündelte Einkaufsmacht der Weltläden gegenüber dem Fair-Trade-Großhandel ins Feld führen. Wir haben das Gefühl, dass aus welchen Gründen auch immer, immer noch nicht die wahren Probleme angesprochen werden.

Weltladen Kressbronn, Heidi Eisenblätter, Hubert M. Schuh

  1. 8. 2018, veröffentlicht in „Welt und Handel“

Wissen Sie wo die Schokolade wächst?

Nein? Dann fragen Sie doch die SchülerInnen der Nonnenbachschule. Denn mehr als hundert Kinder der 1. bis 4. Klasse durften im Rahmen der Projektwoche „Reise um die Welt“ mit dem Weltladenteam als Reiseleiter auf eine Schokoexpedition nach Ghana in Afrika fliegen.

Wo wächst der Kakaobaum und wie schauen seine Früchte aus? Wie werden sie geerntet und weiter verarbeitet? Wie vieler Hände Arbeit bedarf es und wie weit ist der Weg von der Kakaoplantage bis zum Verkauf der Schokolade?

Wie sehen das Fruchtfleisch der Kakaofrucht und die
darin verborgenen Kakaobohnen aus? Wie riecht und vor allem wie schmeckt das alles? Ansehen, riechen, schmecken durften die Kinder alle Produkte, die aus der Kakaofrucht entstehen, z.B. Kakaonibs, Kakaopulver, Kakaobutter, Kakaotee und natürlich das Endprodukt, die Schokolade. Erstaunt stellten sie fest, dass die Kakaobohne nun so gar nicht nach Schokolade schmeckt, sondern sehr bitter und die aus gemahlenen Kakaobohnen gewonnenen Kakaobutter eher „wie Labello“[2].  Mutig probierten die meisten die exotischen, unbekannten Dinge und natürlich schmeckte allen am besten – die Schokolade.

Doch der Höhepunkt der Schokoexpedition war für alle SchülerInnen sicherlich als „kleine Chocolatier“ selber Schokolade herzustellen. Aus geschmolzener Kakaobutter, dunklem Kakao und etwas Ahornsirup rührten die Kinder ihre eigene Schokolade an, die sie – nach dem Erkalten in kleine Stücke gebrochen – essen durften. „Das Schönste heute war, dass ich Schokolade selber machen durfte und ich hab vor Freude fast weinen müssen“ meine ein Mädchen auf die Frage der Lehrerin an die Schüler, was ihnen denn am besten gefallen hatte.

Doch auch von der bitteren Seite der Schokolade wurde den SchülerInnen erzählt. Viele Kinder in Ghana können nicht zur Schule gehen, weil die Eltern zu arm sind. Stattdessen verrichten hunderttausende dieser Kinder tagtäglich auf Kakaoplantagen schwere körperliche, gefährliche und gesundheitsschädliche Arbeit und bekommen dafür sehr wenig oder gar keinen Lohn. Während sich die Kinder hier von ihrem Taschengeld Schokolade kaufen können, haben die meisten der Kinder in Ghana noch nie Schokolade gesehen oder gar gegessen. Hier im Supermarkt gibt es billige Schokolade, die sich jeder leisten kann während die Kakaobauern in Afrika so wenig Geld bekommen, dass das Einkommen nicht zum Leben reicht. Das fanden alle SchülerInnen doch sehr ungerecht. Alle waren der Meinung, die Kakaobauern sollten faire Preise für ihre Ernte bekommen, so wie bei „fair trade“ Schokolade. Nur so könnten die Kinder in der Schule viel lernen und hätten später ein besseres Leben.

Die Neugierde und der Eifer mit denen die Kinder dabei waren sind für uns die Bestätigung, dass das ehrenamtliche Engagement des Eine Welt Vereins Kressbronn im „Globalen Lernen“, wichtig ist.  Es ist der richtige Weg,  den Heranwachsenden die globalisierte Welt als „Eine Welt“ verständlich zu machen, Zusammenhänge zwischen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Entwicklungen zu vermitteln und das Verantwortungsbewusstsein der Heranwachsenden zu stärken.

Marion Dorner und Michaela Fries

[2] Kakaobutter ist häufiger Bestandteil von Kosmetika