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Des einen Freud ist des anderen Leid

Spielzeug ist ein besonderes Produkt. Wir erinnern uns ein Leben lang an unsere Lieblingspuppe oder an unser Lieblingsstofftier. Mit Spielzeug verbringen wir viel Zeit, vertiefen uns ins Spiel, lernen und erschließen uns die Welt.

Spielzeug ist heute jedoch auch ein Produkt wie jedes andere. Es wird aus den unterschiedlichsten Rohstoffen in Fabriken auf der ganzen Welt hergestellt. Es wird global gehandelt und in Tausenden von Läden verkauft. Das bunte Angebot weckt Bedürfnisse und verleitet zum schnellen Kauf. In den meisten Kinderzimmern gibt es viel zu viel davon. Manches landet schnell wieder auf dem Müll. Und weil wir so viel davon kaufen wollen, soll es billig sein. Doch den wahren Preis zahlen andere.

Nur noch 20 Prozent des Spielzeuges wird in Deutschland produziert, der Rest wird importiert. 80 Prozent der europäischen Spielzeugimporte kommen aus Fernost. In Deutschland stammte zuletzt knapp die Hälfte der Spielzeugeinfuhren aus China. Deshalb stehen vor allem die Spielzeugunternehmen in der Kritik, die in China produzieren lassen. In vielen der dortigen Fabriken – und nicht nur in der Spielzeugbranche – verstoßen die herrschenden Arbeitsbedingungen gegen nationales Recht und internationale Mindeststandards.
Die Christliche Initiative Romero berichtet in einer neuen Studie über verdeckte Ermittlungen der Arbeitsrechtsorganisation „China Labor Watch“ in chinesischen Spielzeugfabriken. Als Fließband-arbeiter*innen getarnt stellten die Ermittler*innen gravierende Arbeitsrechtsverletzungen fest. Für internationale Konzerne wie Disney, Hasbro, Mattel und Lego schieben die Arbeiter*innen dort in der Hochsaison bis zu 126 Überstunden monatlich – nicht immer freiwillig. Arbeitszeiten bis zu 14 Stunden pro Tag, Löhne unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns, unzureichenden Arbeitsschutz sind oft die Regel. Teilweise werden 10 – 15 Arbeiter*innen zum Schlafen in ein Zimmer gepfercht.
Der „Toys Report 2019“ (www.ci-romero.de/toys-report-2019) nennt die Ursachen für die schlechten Arbeitsbedingungen und fordert die westlichen Unternehmen auf, endlich Verantwortung für die Arbeitsbedingungen in ihren Produktionsstätten zu übernehmen und wirksam gegen diese Ausbeutung vorzugehen.

Und was können WIR tun?

  • Weniger ist mehr. Auch Spielzeugberge werden irgendwann zu Müllbergen.
  • Material sorgfältig auswählen. Kaufen Sie kein Spielzeug aus weichem Kunststoff, insbesondere nicht aus PVC.
  • Vertrauen Sie Ihrer Nase, machen sie den Riechtest. Was künstlich riecht, gibt auch schädliche chemische Stoffe an die Luft ab.
  • Meiden Sie Billigprodukte. Niedrige Preise gehen oft einher mit minderwertigen Rohstoffen, miserablen Arbeitsbedingungen und fehlenden Qualitätskontrollen.
  • Spielzeug tauschen: gebrauchtes Spielzeug ist nicht nur preisgünstiger, sondern auch umweltfreundlicher.
  • Achten Sie auf fair produziertes und gehandeltes Spielzeug mit den entsprechenden Labels.

 Gedanken zum Nikolaustag

Was hat  Bischof Nikolaus von Myra (geb. um 286 n.Chr.) mit dem Fairem Handel gemein? Er, den wir gemeinhin „Nikolaus“ nennen, würde sich auch heute noch für Gerechtigkeit und Solidarität mit den Armen und sozial Benachteiligten – in Süd und Nord – einsetzen. Das sind genau die Werte, die auch für den Fairen Handel zentral sind.

Zum Beispiel Schokolade: Im Fairen Handel werden den Kakaogenossenschaften in den Anbauländern höhere Preise gezahlt, damit die Kakaobauernfamilien ihre Kinder zur Schule schicken können. Denn immer noch müssen im konventionellen Kakaoanbau viele Kinder – beispielsweise in Westafrika –  in Kakaofeldern schuften, weil ihre Eltern nicht genug verdienen. Bei fair gehandeltem Kakao ist jedoch bekannt, woher die Kakaobohnen kommen und wie sie weiter verarbeitet werden. Im Fairen Handel ist eine transparente Lieferkette auch ein wichtiger Baustein im Kampf gegen ausbeuterische Kinderarbeit.

Vor dem aktuellen Hintergrund, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird – die acht reichsten Personen der Welt besitzen mehr als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung – soll der Bischof von Myra uns für  seine Werte von sozialer Gerechtigkeit und Solidarität öffnen.

Krasse soziale Gegensätze gab es auch zu Zeiten des Heiligen Bischof von Myra. Nikolaus selbst entstammte einer privilegierten Familie in Kleinasien. Das machte ihn jedoch nicht blind für die Not um ihn herum. Im Gegenteil: er schützte die Armen vor Ausbeutung.
Der Legende nach kam Nikolaus eines Nachts am Haus einer Familie vorbei, die so mittellos war, dass die drei Töchter als Prostituierte ihr Geld verdienen mussten. Damit die jungen Frauen dieses Tun beenden und heiraten konnten, warf Nikolaus drei Beutel mit Gold durch das Fenster des Hauses.

Soziale Missstände sind also der Hintergrund für unseren heutigen Brauch, Kinder zum Nikolaustag mit Süßem zu beschenken.

Faire Schokolade und das Vorbild des Nikolaus sind zwei Dinge, die uns durch die Adventszeit begleiten sollen.

 

 

Gleiche Chancen durch Fairen Handel – die Faire Woche 2019 Grußwort von Dr. Gerd Müller

Ein gut gefüllter Kleiderschrank, Kaffee, Tee, Kakao nach Belieben, Südfrüchte zu jeder Jahreszeit, jedem ein Smartphone, Tablet und PC – all das und noch viel mehr erscheint uns selbstverständlich.
Doch allzu oft ist dieser Wohlstand mit Armut in Entwicklungsländern erkauft. Denn vieles ist bei uns nur deshalb so billig, weil andere die wahren Kosten dafür tragen. Am Anfang eines jeden Produktes steht ein Mensch – und sehr häufig ist es eine Frau!

Beispiel Textilindustrie: Allein in Bangladesch sind in diesem Sektor rund vier Millionen Menschen beschäftigt, 90 Prozent davon Frauen. Viele unserer Kleidungsstücke werden dort unter Arbeitsbedingungen geschneidert, die wir hierzulande schon längst nicht mehr dulden würden: 14-Stunden-Tage ohne Pausen, keine soziale Absicherung etwa bei Schwangerschaft, kaum gewerkschaftliche Organisation. Auch die Rohstoffe für unseren Kaffee oder unsere Schokolade pflanzen und ernten überwiegend Frauen, oft für einen Hungerlohn.

So bleiben Frauen in einer Spirale der Armut gefangen – und ihre Länder gleich mit. Denn solange die eine Hälfte der Bevölkerung in vielen Ländern keine gleichen Chancen und Rechte hat, werden diese Länder die Entwicklungsziele nicht erreichen können. Bei vollkommener Gleichberechtigung – so hat eine McKinsey-Studie ergeben – könnte die Weltwirtschaft bis 2025 um 12 Billionen US-Dollar wachsen. Es gäbe mehr Gesundheit, mehr Bildung, soziale Entwicklung.

Der Faire Handel ist ein Schlüssel, um die Gleichberechtigung der Geschlechter weltweit voranzubringen. Darum ist es gut, dass bei der diesjährigen 18. „Fairen Woche“ der Schwerpunkt auf Geschlechtergerechtigkeit liegt. Denn die Faire Woche macht mit einer Vielzahl von Veranstaltungen darauf aufmerksam, welchen Beitrag wir hier in Deutschland dazu leisten können.

Wir alle entscheiden mit unseren Kaufentscheidungen mit über das Leben und die Chancen anderer Menschen. Und es ist auch Ihrer hartnäckigen Arbeit zu verdanken, dass dies immer mehr Menschen bewusst wird. Immer mehr Menschen wollen wissen, wie das, was sie kaufen, hergestellt wurde. Sie lassen nicht mehr allein den Preis entscheiden, sondern achten auch auf ökologische und soziale Standards in der Lieferkette. Das schätze ich sehr!

Auch unsere Unternehmen müssen sicherstellen, dass in Lieferketten Menschenrechte eingehalten werden. Viele gehen bereits freiwillig voran. Als Antwort auf die Katastrophe von Rana Plaza etwa initiierte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 2014 das Bündnis für nachhaltige Textilien. Gestartet mit einer Handvoll Teilnehmenden, deckt es inzwischen rund 50 Prozent des deutschen Textileinzelhandelsmarkts ab. Die Mitglieder des Textilbündnisses setzen sich für soziale, ökologische und ökonomische Verbesserungen entlang der gesamten Textil-Lieferkette ein. Davon profitieren vor allem Frauen. Auch das Forum Nachhaltiger Kakao hat viel erreicht: Von 3 Prozent zertifiziertem Kakao in deutschen Supermärkten im Jahr 2011 auf über 60 Prozent heute.

Am Ende aber müssen alle Unternehmen in Deutschland ihren unternehmerischen Sorgfaltspflichten in ihren Lieferketten nachkommen. Wie weit das Prinzip der freiwilligen Selbstverpflichtung trägt, wird bald im Rahmen des Nationalen Aktionsplans Wirtschaft und Menschenrechte bei Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern abgefragt. Wenn wir feststellen, dass Freiwilligkeit nicht ausreicht, werden wir national gesetzlich tätig und uns für eine EU-weite Regelung einsetzen – so haben wir es im Koalitionsvertrag vereinbart. Und immer mehr Unternehmen sind offen dafür. Denn letztlich sollten für alle die gleichen Spielregeln gelten!

Als Entwicklungsministerium fördern wir faire und ökologisch nachhaltige Arbeits- und Produktionsbedingungen in vielen Sektoren und Partnerländern: In der Landwirtschaft zum Beispiel machen Frauen oft den Großteil der Arbeit – aber haben kaum Zugang zu Landrechten, zu Saatgut oder zu Krediten. Auch viele staatliche Programme der Partnerländer richten sich vor allem an Männer. Frauen bleiben so vom Zugang zu Ressourcen, technischen Kenntnissen und Vermarktungs-Möglichkeiten ausgeschlossen. Das BMZ achtet deshalb sehr darauf, dass in den von uns geförderten Schulungen die Frauen zum Zuge kommen. So wurden in West- und Zentralafrika fast eine halbe Million Menschen im Kakaosektor fortgebildet – ein Drittel davon waren Frauen. Sie verdienen nun deutlich mehr und haben dadurch oft auch mehr Entscheidungsfreiheit und Handlungsspielraum für ihr eigenes Leben.

Menschenwürdige Arbeit weltweit durchsetzen – das ist die soziale Frage des 21. Jahrhunderts. Gemeinsam können wir die Globalisierung gerecht gestalten, insbesondere für die Frauen dieser Welt!

 

 

Ihr
Dr. Gerd Müller
Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
und Schirmherr der Fairen Woche 2019

Vereinsnachrichten: Neuer Vorstand nimmt seine Arbeit auf

Anlässlich der monatlichen MitarbeiterInnen-Besprechung stellte sich der neu gewählte Vorstand vor und erläuterte die neue Aufgabenverteilung im Vorstandsteam. Durch die Erweiterung von 2 auf 3 Vorstandsmitglieder wird künftig die anfallende Arbeit auf mehr Köpfe verteilt. Wir tragen damit aber auch dem Zuwachs an Aufgaben Rechnung,  z.B. bei der Information über die Intentionen des fairen Handels und auch sein Gegenteil, den sog. freien Handel. In diesen Tagen (13. Bis 27. Sept.) findet bundesweit die alljährliche Faire Woche statt. Sie ist eine Aktionswoche des Fairen Handels, bei der sich Weltläden, Schulen, Kommunen und Kirchengemeinden beteiligen, um das Anliegen des Fairen Handel bekannter zu machen.

Sie steht dieses Jahr unter dem Motto „Geschlechtergerechtigkeit“, also die Frage, was leisten Frauen und Mädchen zu einer nachhaltigen Entwicklung und was tut der Faire Handel, um die Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern zu fördern? Wir im Weltladen Kressbronn beschäftigen uns mit den Unterthema „Frauen in der Textilindustrie“. Der Strategie der globalen Textilindustrie, immer schneller und immer häufiger neue Kollektionen auf den Markt zu werfen („fast fashion“) mit all seinen negativen Auswirkungen stellen wir das Prinzip der Fair Fashion entgegen: Weniger ist mehr. Dafür mehr Qualität, sowie Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit in der Lieferkette. Jeder Deutsche und jede Deutsche kauft im Durchschnitt jährlich 60 Stück Textilien – und wirft sie größtenteils kurz danach wieder weg. Die Qualität des Gewebes ist oft so minderwertig, dass nicht einmal Putzlappen daraus gemacht werden können! Wie ein Haufen Textilien mit 60 Teilen oder 14 kg Gewicht aussieht, können Sie sich im Weltladen Kressbronn anschauen.

Armut ist weiblich

Darum ist es gut, dass bei der diesjährigen „Fairen Woche“, die vom 13. bis 27. September stattfindet,  der Schwerpunkt auf Geschlechtergerechtigkeit liegt. Die Faire Woche ist die größte Aktionswoche des Fairen Handels in Deutschland. In diesem Jahr dreht sie sich um das Thema Geschlechtergerechtigkeit. Welchen Beitrag leisten Frauen und Mädchen zu einer nachhaltigen Entwicklung und was tut der Faire Handel, um Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern zu fördern?

„Alle Menschen sind frei und gleich an Rechten und Würde geboren”, heißt es in Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UN. Doch die Realität sieht anders aus: Weltweit verhindern gesellschaftliche, politische und ökonomische Faktoren, dass sich Frauen und Männer gleichermaßen entfalten können. In den meisten Fällen geht das zu Lasten der Frauen. In Deutschland erhalten sie z.B. für gleiche Tätigkeiten oft deutlich weniger Gehalt als Männer.

In den Ländern des Südens haben Frauen und Mädchen oftmals weniger Zugang zu Bildung und zu Produktionsmitteln wie Land, Saatgut und Krediten. In der Folge verfügen sie über weniger eigenes Einkommen und sind stärker von Armut betroffen als Männer. So produzieren Frauen in der afrikanischen Landwirtschaft über 90% der Grundnahrungsmittel! Zugleich besitzen sie aber nur etwa 1% des Ackerlandes. Sie arbeiten in der Textilindustrie unter unwürdigen und ausbeuterischen Bedingungen, schneidern viele unserer Kleidungsstücke unter Arbeitsbedingungen, die wir hierzulande längst nicht mehr dulden würden.

So bleiben die Frauen in einer Spirale der Armut gefangen – von den rund 700 Mio. Menschen, die weltweit in extremer Armut leben, sind rund 70 % Frauen – und ihre Länder gleich mit.

Gleiche Chancen für Frauen und Männer sind nicht nur ein Gebot der Gerechtigkeit: sie sind eine wichtige Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung und für ein gutes Leben für Familien und Gemeinschaften. Denn während Frauen etwa 90% des Einkommens für Ernährung, Gesundheit und Bildung der Familie verwenden, sind es bei den Männern nur 30%. Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) schätzt, dass die Zahl der unterernährten Menschen um 200 bis 150 Millionen reduziert werden könnte, wenn die Ungleichheit der Geschlechter im Agrarsektor beseitigt werden könnte. Und bei vollkommener Gleichberechtigung – so hat eine McKinsey-Studie ergeben – könnte die Weltwirtschaft bis 2025 um 12 Billionen US-Dollar wachsen. Es gäbe mehr Gesundheit, mehr Bildung, soziale Entwicklung.

Die Förderung von Strukturen, die es Frauen und Mädchen gleichermaßen ermöglicht, ihre Potenziale zu entfalten, gehört zu den Grundprinzipien des Fairen Handels. Der Faire Handel

fördert den Zugang von Mädchen und Frauen zu Bildung,
verschafft Frauen Zugang zu Ressourcen wie Land, Produktionsmitteln und Einkommen,
bezieht Frauen in Entscheidungsprozesse ein,
thematisiert das Problem der Ungerechtigkeit durch fehlende Gleichberechtigung der Geschlechter in der Öffentlichkeit.

Trotz aller Erfolge bleibt noch viel zu tun. Um zu mehr Chancengleichheit zu kommen, fordert der Faire Handel u.a. die Fixierung auf Geschlechterrollen schon in der Erziehung zu vermeiden, die Anzahl von Frauen in Politik und Unternehmensvorständen zu erhöhen und patriarchale Strukturen aufzubrechen. Der Faire Handel leistet dazu einen wichtigen Beitrag und trägt so auch dazu bei, die nachhaltigen Entwicklungsziele zu erreichen. Machen Sie mit!

Quelle: www.faire-woche.de, www.deab.de

Der Stoff aus dem die Träume sind

Der Kleiderschrank ist voll und trotzdem nichts anzuziehen? Wer von uns kennt das nicht! Outfits geraten heute immer schneller aus der Mode, das Mode-Karussell dreht sich immer rasanter: Seit dem Jahr 2000 hat sich die weltweite Textilproduktion mehr als verdoppelt. Gab es früher zwei Kollektionen im Jahr, sind es heute bis zu 24! Bei manchen Modeketten hängt sogar täglich neue Ware am Ständer. Was gut geht, wird sofort nachproduziert, was liegen bleibt, wird umgehend preisreduziert angeboten. Und die Konsumenten greifen zu: Einen Pulli, der nicht mehr als ein Modeheft kostet, kann man sich fast immer leisten. Viele kaufen Klamotten nicht mehr nach Bedarf, sondern aus Zeitvertreib. Die Folge: In deutschen Kleiderschränken stapeln sich heute viermal so viele Hosen, Jacken und Blusen wie 1980.
Die Deutschen sind Weltmeister im Kleider kaufen, nur die Amerikaner shoppen noch mehr. Der deutsche Bekleidungsmarkt ist der wichtigste in Europa. Immer neue Modeketten tauchen in den Innenstädten auf, die mit unglaublich günstigen Preisen die Kunden in ihre Geschäfte locken.
Den wahren Preis dabei zahlen andere! Zum Beispiel die Landarbeiter auf den Baumwollfeldern oder die Näherinnen in Bangladesch. Das bevölkerungsreiche Land hat seine Textilexporte von 2010 bis 2015 um 63 Prozent gesteigert. Rund 5.000 Firmen beschäftigen über vier Millionen Arbeitskräfte, überwiegend Frauen. Die Löhne sind gering, die Arbeitsbedingungen miserabel, 14-Stunden-Tage, kaum Urlaub und oft gefährliche Arbeitsplätze. Immer wieder kommen Arbeiter bei Unglücken ums Leben. Erinnern wir uns an den April 2013 als die neunstöckige Bekleidungsfabrik Rana Plaza einstürzte und 1.100 Menschen unter sich begrub. Überlebende kämpfen heute noch für Entschädigungen. Ganz zu schweigen von den Schäden durch den umweltschädigenden Einsatz der Ressourcen Wasser, Boden und Energie oder belastenden Chemikalien.
Ist Masse wirklich klasse? Muss dauernd etwas Neues her, wenn man hip und angesagt bleiben will? Ist der Kleiderschrank nicht schon voll genug? Und: die meisten Kleidungsstücke werden weder fair noch nachhaltig und umweltschonend hergestellt. Aber lassen sich Mode und Nachhaltigkeit überhaupt vereinen? Wie geht „grünes shoppen“?
Hier ein paar Tipps von „Future Fashion“ – einer jungen Bewegung in Baden Württemberg für einen nachhaltigen Mode- und Textilkonsum. Initiatorin und Trägerin von Future Fashion ist die Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) (www.sez.de).
– Eigene Wünsche kritisch hinterfragen: Brauche ich wirklich noch mehr Kleidung?
– „Grüne“ Mode kaufen, auf Qualität und Textillabel achten.
– Second Hand kaufen: In Vintage-Shops, auf Kleiderbasaren oder in Online-Kauf- und Tauschbörsen.
– Aufs Waschetikett schauen: Angaben wie separat waschen, bügel- und knitterfrei weisen auf kritischen Chemikalieneinsatz hin.
– Umweltbewusst waschen: Waschmittel genau dosieren, niedrige Waschtemperatur wählen, auf Trockner und Weichspüler verzichten.
– Gut erhaltene Kleidung an karitative Organisationen geben.
Weniger kann mehr sein – wenn man auf Qualität achtet, nicht jedem Trend hinterherrennt, sondern sich etwas Zeitloses und Nachhaltiges zulegt. Und wer weniger Billigteile kauft, kann auch mehr für ein nachhaltig hergestelltes Einzelstück ausgeben.

Die Welt zu Gast in der „Fairen Schultüte“

Noch sind Ferien, aber vielleicht steigen bei den zukünftigen Erstklässlern bereits die Vorfreude und die Aufregung auf den ersten Schultag, der viele spannende Veränderungen bringen wird.  Mit Ranzen und Schultüte starten die Kinder demnächst in einen neuen Lebensabschnitt. Damit haben sie Kindern in vielen anderen Ländern der Erde etwas Unschätzbares voraus: eine sehr gute Chance auf Bildung.

In weiten Teilen Afrikas, Asiens und auch Südamerikas wird Kindern das in der Agenda 2030 [1] verankerte Recht auf Bildung versagt: sie müssen arbeiten – teilweise ohne Bezahlung -, um den Lebensunterhalt ihrer Familien mit zu sichern.
Immer noch müssen täglich mehr als 150 Millionen Kinder zwischen 5 und 17 Jahren (Angaben von UNICEF)  auf der Welt arbeiten. Sie helfen illegal auf den Feldern, schuften in Fabriken, Steinbrüchen, Bergwerken oder Kakaoplantagen, verdingen sich als Dienstmädchen oder Straßenverkäufer. Kinderarbeit sind laut Definition der UNICEF Arbeiten, für die Kinder zu jung sind oder die gefährlich oder ausbeuterisch sind, die die körperliche oder seelische Entwicklung schädigen oder die Kinder vom Schulbesuch abhalten. Sie beraubt Kinder ihrer Kindheit und verstößt gegen die weltweit gültigen Kinderrechte.

Der Eine-Welt-Verein Kressbronn möchte mit der Aktion „Faire Schultüte“ das Bewusstsein für  Fairen Handel stärken und Offenheit und Toleranz für andere Völker und Kulturen bei Eltern und Kindern fördern.

Mit einer „Fairen Schultüte“ können Sie ein Zeichen setzen für eine gerechtere und friedlichere Welt. Der Faire Handel garantiert eine Produktion ohne illegale Kinderarbeit. Den Produzenten wird ein Mindestpreis für ihre Produkte garantiert, sodass sie damit ihren Lebensunterhalt bestreiten und ihre Kinder zur Schule schicken können. Zudem unterstützt der Faire Handel die Finanzierung und den Bau von Schulen weltweit.

Ob Süßigkeiten, Mutmacher oder Glücksbringer – es gibt viele Möglichkeiten die Schultüte mit fairem Inhalt zu füllen: mit Gummibärchen aus Nicaragua, getrockneten Mangos von den sonnigen Philippinen, Schokolade aus Ghana, Stoffbälle aus Guatemala, Sorgenpüppchen aus Peru, Armbändchen aus Indien und vieles mehr. Mit fairen Geschenken zum Schulanfang in einer liebevoll gestalteten Schultüte ist bei den Kindern in Kressbronn die Welt zu Gast – und vielleicht die Chance auf Bildung für die Kinder in anderen Erdteilen ein wenig größer geworden.

1] bis 2030 sollen alle Menschen die Möglichkeit haben, eine gute, gebührenfreie, inklusive Primar- und Sekundarschulbildung abzuschließen.

 

 

Wir sind Gold wert!

Ohne Smartphone & Co. geht heutzutage fast nichts mehr. Wir kaufen damit ein, wir spielen und fotografieren damit. Wir halten Kontakt zu unseren Freunden, stellen damit die Heizung an, bevor wir nach Hause kommen und überwachen unseren Puls beim Joggen.

Doch die Geräte haben eine dunkle Kehrseite. Für die Herstellung werden wertvolle Rohstoffe benötigt, die teilweise unter fragwürdigen Bedingungen für Arbeiterinnen und Arbeiter sowie der Umwelt abgebaut werden. Die Halbwertszeit der Produkte ist kurz: Immer schneller kommen Geräte mit neuen Funktionen auf den Markt.

Wenn ein neues Handy kommt, wird das alte recycelt? Nein, aufgehoben! Laut dem Branchenverband „bitkom“ hatten im Jahr 2015 84 % aller Deutschen mindestens ein ungenutztes Altgerät zu Hause liegen. Die, die nicht fachgerecht recycelt werden, gelangen manchmal auf dubiosen Wegen in Entwicklungsländer, wo die Rohstoffe unter zweifelhaften Methoden herausgelöst werden und zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen können.

Schätzungen zufolge liegen in Deutschland über 100 Millionen Mobiltelefone ungenutzt herum.  Allein der Kupferanteil in diesen Schubladen-Handys liegt bei fast 900 Tonnen – damit kann man ein Telefonkabel fast zweimal um die Erde legen. Dazu enthalten sie viele andere Rohstoffe wie Gold, Silber und Palladium –  ein Goldschatz in der Schublade!

Baden-Württemberg startete deshalb zusammen mit vielen Organisationen aus Kirche und Zivilgesellschaft, sowie der Deutschen Telekom die landesweite Kampagne „Die Handy Aktion BW“. Sie will ins Bewusstsein rücken, welche Auswirkungen der weltweite Handyboom hat. Am Beispiel von Handys soll das Bewusstsein für den Umgang mit Ressourcen geschärft werden – und für alles, was damit zusammenhängt. Zum Beispiel die Arbeitsbedingungen der Menschen, die die notwendigen Rohstoffe abbauen oder unsere Handys zusammensetzen, oder die Folgen für die Umwelt. Damit einher gehen Sammelaktionen für alte Handys.

Was passiert mit den gesammelten Handys? Zuerst werden die Geräte von zertifizierten Fachunternehmen in Deutschland überprüft, ob sie zur Weiternutzung geeignet sind oder recycelt werden müssen. Wenn die Geräte zur Weiternutzung geeignet sind, werden alle Daten gelöscht und die Geräte aufbereitet. Aus den anderen Geräten werden die meisten Rohstoffe herausgelöst und wiederverwertet.

Im Weltladen Kressbronn steht eine Sammelbox vom Internationalen katholischen Hilfswerk Missio, in die Sie Ihr gebrauchtes Handy hineingeben können. Der Erlös der Handy-Sammelaktion fließt in nachhaltige Bildungs- und Gesundheitsprojekte im Kongo, in Uganda und Äthiopien.

Machen Sie mit, machen Sie Ihr nicht mehr benutztes Handy zu Gold – für einen guten Zweck!

Weitere ausführliche Informationen unter: www.handy-aktion.de und www.heldenshop-bw.de/shop/gzw-smartphone

KOMMUNALER EINKAUF: billigst oder nachhaltig und fair?

Seit der Reform des deutschen Vergaberechts in 2016 haben Kommunen die Chance – unabhängig vom Auftragswert – im Vergabeverfahren verbindliche Anforderungen an die Nachhaltigkeit der zu beschaffenden Güter und Dienstleistungen zu stellen sowie soziale und umweltbezogenen Aspekte mit 14einzubeziehen. Es muss also nicht mehr gelten: das preisgünstigste Angebot gewinnt!

Öffentliche Auftraggeber in Deutschland beschaffen jährlich Produkte und Dienstleistungen im Wert von rd. 400 Mrd. €, was ca. 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Etwa die Hälfte der Ausgaben entfällt auf die Kommunen. Damit haben diese eine große Einkaufsmacht, die sich nutzen ließe, um den Einkauf fairer und nachhaltiger zu gestalten.

Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dr. Gerd Müller, wandte sich bereits im Juni 2016 mit einem Schreiben an  a l l e  Kommunen. Darin heißt es: „Wer in der Entwicklung nicht stehenbleiben will, muss regelmäßig über Gewohnheiten und etablierte Abläufe nachdenken und sich fragen: Ist das noch zeitgemäß? Konkret nehme ich Bezug auf die Beschaffung von Gütern, die in der kommunalen Verwaltung benötigt werden. Viele dieser Waren oder deren Rohstoffe – von Textilien für Sicherheits- und Arbeitsbekleidung über Pflastersteine bis hin zu Kaffee und Tee – kommen originär aus den Ländern des Globalen Südens. Dort wird die Baumwolle gepflückt, der Steinbruch bearbeitet oder der Kaffee und Tee angebaut. Als verantwortungsvolle Verwaltung müssen wir uns die Frage stellen: Sind die Produktionsbedingungen vor Ort fair? Werden Sozial- und Umweltstandards eingehalten? Können wir die Güter guten Gewissens nutzen, oder nur auf Kosten der Menschen, die sie vor Ort produzieren?“

Dann nimmt er Bezug auf die konkrete Beschaffungspraxis der Kommunen und schreibt: „Lassen Sie uns gemeinsam etwaige Fairness-Lücken schließen, die es immer noch in großer Menge gibt. Dies ist einfacher als man denkt und gewinnt durch die Reform des deutschen Vergaberechts im April 2016 noch mehr an Bedeutung. Zertifikate über die Einhaltung der ILO (International Labour Organisation)-Kernarbeitsnormen lassen sich bei vielen Herstellern oder Lieferanten einfordern. Damit wird sichergestellt, dass die verwendeten Güter unter sozialen Mindeststandards – wie dem Verbot von ausbeuterischer Kinderarbeit oder Zwangsarbeit – hergestellt und weiterverarbeitet wurden. Deswegen startete die Servicestelle Kommunen in der einen Welt (SKEW) die Kampagne DEUTSCHLAND FAIRGLEICHT mit dem Appell: Vergleichen Sie Angebote nicht nur nach dem Preis, sondern auch nach Kriterien der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit. Das Team der SKEW berät Sie hierzu gerne persönlich und unterstützt Sie bei der Realisierung der Fairen Beschaffung in Ihrer Kommune.“

Diesem Ansinnen ist aus Sicht des Fairen Handels und des EineWeltVereins Kressbronn nichts hinzuzufügen. Wichtige Informationen, inwieweit soziale und ökologische Kriterien in Vergaben eingebunden werden können, welche Gemeinderatsbeschlüsse, Dienstanweisungen und Richtlinien angepasst und beachtet werden müssen, bietet der kommunale „Nachhaltigkeitskompass“ (www.kompass-nachhaltigkeit.de)

Was wäre in Kressbronn also zu tun? Es sind Ratsbeschlüsse herbei zu führen, die die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Beschaffung festschreiben. Im Rahmen eines Beschlusses wäre auch festzulegen, wie und wer dies umsetzt. In diesem Zusammenhang könnten auch konkrete Ziele gesetzt – z.B. in einem „Nachhaltigkeitsleitbild Kressbronn“ und das Erreichen dieser Ziele überprüft werden. Angesichts der krisenhaften Entwicklungen in der Welt, wäre dies ein Zeichen der Verantwortlichen, dass sie gewillt sind, zu handeln.

Eine Welt Verein Kressbronn, Marion Dorner

  1. Mai 2019

Was ist am 11. Mai für ein Tag?

Es ist Weltladentag! Der Weltladentag ist der politische Aktionstag aller Weltläden und findet immer am zweiten Samstag im Mai statt. Zeitgleich feiern die Fair-Handels-Akteure weltweit den  Internationalen Tag des Fairen Handels. Seit 2015 steht die politische Kampagne unter dem Motto „Mensch. Macht. Handel. Fair“ gemeinsam mit dem EU-Projekt „Trade fair, live fair“, welches die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen SDGs (Sustainable Development Goals) in den Mittelpunkt stellt.

Getrieben vom Streben nach grenzenlosem Wachstum geht es in der Wirtschaft häufig unfair zu. Bei der Herstellung unserer Alltagsprodukte werden häufig Menschenrechte verletzt und die Umwelt zerstört. Auch deutsche Unternehmen sind immer wieder an Menschenrechtsverletzungen im Ausland beteiligt oder profitieren davon. Verheerende Unfälle in Textilfabriken Asiens, die Vertreibung von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Afrika, Kinderarbeit und Pestizidvergiftungen auf usbekischen Baumwollfeldern, der Coltanabbau in den Minen des Kongos für unsere Handys, der Kohleimport aus Kolumbien auf Kosten einheimischer Gemeinschaften sind dafür nur einige Beispiele.

Wie sähe eine Welt aus, in der Unternehmen nicht mehr dem Profit, sondern zu allererst den Menschen und dem Planeten verpflichtet sind? Entsprechend den 2011 vom UN-Menschenrechtsrat einstimmig angenommenen Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte ist es die Pflicht der Staaten, alle Menschen vor Verletzung ihrer Menschenrechte, auch durch Unternehmen, zu schützen. Staaten sollen wirksame Maßnahmen treffen, um Menschenrechtsverletzungen durch Unternehmen zu verhindern und zu ahnden. Im Dezember 2016 verabschiedete die Bundesregierung einen Aktionsplan „Wirtschaft und Menschenrechte“ (NAP). Dieser ist ein erster Schritt zur Umsetzung der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte. Er geht aber nicht weit genug, denn die Bundesregierung setzt darin weiterhin auf freiwillige Maßnahmen für Unternehmen, anstatt sie gesetzlich festzuschreiben. Dabei zeigen Erfahrungen, dass freiwillige Maßnahmen für Unternehmen zum Schutz der Menschenrechte nicht ausreichen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat deshalb ein „Wertschöpfungskettengesetz“ entworfen, welches die Unternehmen verpflichtet, ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht entlang ihrer gesamten Lieferkette nachzukommen.

Die Fair-Handelsbewegung begrüßt diesen Gesetzentwurf und  möchte den Weltladentag nutzen, darauf aufmerksam zu machen, dass  freiwillige Selbstverpflichtungen von Unternehmen in Sachen Menschenrechten uns nicht weiterbringen.

Der Tag ist aber auch eine gute Gelegenheit, den Weltladen Kressbronn kennen zu lernen, ins Gespräch zu kommen, zu diskutieren und schöne, fair gehandelte Produkte zu entdecken. Genießen Sie dabei leckeres Essen und Trinken aus fair gehandelten Zutaten und weitere Überraschungen.

Wir freuen uns über Ihren Besuch.

Marion Dorner und das ganze Weltladenteam