Armut ist weiblich

Darum ist es gut, dass bei der diesjährigen „Fairen Woche“, die vom 13. bis 27. September stattfindet,  der Schwerpunkt auf Geschlechtergerechtigkeit liegt. Die Faire Woche ist die größte Aktionswoche des Fairen Handels in Deutschland. In diesem Jahr dreht sie sich um das Thema Geschlechtergerechtigkeit. Welchen Beitrag leisten Frauen und Mädchen zu einer nachhaltigen Entwicklung und was tut der Faire Handel, um Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern zu fördern?

„Alle Menschen sind frei und gleich an Rechten und Würde geboren”, heißt es in Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UN. Doch die Realität sieht anders aus: Weltweit verhindern gesellschaftliche, politische und ökonomische Faktoren, dass sich Frauen und Männer gleichermaßen entfalten können. In den meisten Fällen geht das zu Lasten der Frauen. In Deutschland erhalten sie z.B. für gleiche Tätigkeiten oft deutlich weniger Gehalt als Männer.

In den Ländern des Südens haben Frauen und Mädchen oftmals weniger Zugang zu Bildung und zu Produktionsmitteln wie Land, Saatgut und Krediten. In der Folge verfügen sie über weniger eigenes Einkommen und sind stärker von Armut betroffen als Männer. So produzieren Frauen in der afrikanischen Landwirtschaft über 90% der Grundnahrungsmittel! Zugleich besitzen sie aber nur etwa 1% des Ackerlandes. Sie arbeiten in der Textilindustrie unter unwürdigen und ausbeuterischen Bedingungen, schneidern viele unserer Kleidungsstücke unter Arbeitsbedingungen, die wir hierzulande längst nicht mehr dulden würden.

So bleiben die Frauen in einer Spirale der Armut gefangen – von den rund 700 Mio. Menschen, die weltweit in extremer Armut leben, sind rund 70 % Frauen – und ihre Länder gleich mit.

Gleiche Chancen für Frauen und Männer sind nicht nur ein Gebot der Gerechtigkeit: sie sind eine wichtige Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung und für ein gutes Leben für Familien und Gemeinschaften. Denn während Frauen etwa 90% des Einkommens für Ernährung, Gesundheit und Bildung der Familie verwenden, sind es bei den Männern nur 30%. Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) schätzt, dass die Zahl der unterernährten Menschen um 200 bis 150 Millionen reduziert werden könnte, wenn die Ungleichheit der Geschlechter im Agrarsektor beseitigt werden könnte. Und bei vollkommener Gleichberechtigung – so hat eine McKinsey-Studie ergeben – könnte die Weltwirtschaft bis 2025 um 12 Billionen US-Dollar wachsen. Es gäbe mehr Gesundheit, mehr Bildung, soziale Entwicklung.

Die Förderung von Strukturen, die es Frauen und Mädchen gleichermaßen ermöglicht, ihre Potenziale zu entfalten, gehört zu den Grundprinzipien des Fairen Handels. Der Faire Handel

fördert den Zugang von Mädchen und Frauen zu Bildung,
verschafft Frauen Zugang zu Ressourcen wie Land, Produktionsmitteln und Einkommen,
bezieht Frauen in Entscheidungsprozesse ein,
thematisiert das Problem der Ungerechtigkeit durch fehlende Gleichberechtigung der Geschlechter in der Öffentlichkeit.

Trotz aller Erfolge bleibt noch viel zu tun. Um zu mehr Chancengleichheit zu kommen, fordert der Faire Handel u.a. die Fixierung auf Geschlechterrollen schon in der Erziehung zu vermeiden, die Anzahl von Frauen in Politik und Unternehmensvorständen zu erhöhen und patriarchale Strukturen aufzubrechen. Der Faire Handel leistet dazu einen wichtigen Beitrag und trägt so auch dazu bei, die nachhaltigen Entwicklungsziele zu erreichen. Machen Sie mit!

Quelle: www.faire-woche.de, www.deab.de