{"id":568,"date":"2020-10-07T14:34:06","date_gmt":"2020-10-07T12:34:06","guid":{"rendered":"https:\/\/weltladen-kressbronn.de\/?p=568"},"modified":"2020-10-24T17:23:35","modified_gmt":"2020-10-24T15:23:35","slug":"50-jahre-fairer-handel-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/weltladen-kressbronn.de\/index.php\/2020\/10\/07\/50-jahre-fairer-handel-in-deutschland\/","title":{"rendered":"50 Jahre Fairer Handel in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Die Fair-Handels-Bewegung in Deutschland wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Sie entstand Anfang der 1970er-Jahre in Europa als christliche Jugend- und Studentenorganisationen. W\u00e4hrend der sogenannten Hungerm\u00e4rsche protestierten sie in 70 deutschen St\u00e4dten gegen die wachsende Benachteiligung von Produzent*innen aus dem globalen S\u00fcden am Weltmarkt und forderten faire Handelsbeziehungen. Etwa 30.000 Menschen nahmen 1970 in ganz Deutschland an den Kundgebungen teil. Die Hungerm\u00e4rsche gelten als bis dahin gr\u00f6\u00dfte Solidarit\u00e4tsaktion f\u00fcr L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens in der Geschichte der Bundesrepublik.<\/p>\n<p>In den Folgejahren boten immer mehr Aktionsgruppen und Weltl\u00e4den fair gehandelte Waren an. Aktivist*innen gr\u00fcndeten die ersten Fair-Handels-Organisationen wie GLOBO, El Puente und GEPA. 1973 \u00f6ffnete auch der erste deutsche Weltladen in Stuttgart. Heute profitieren rund 2,5 Millionen Kleinb\u00e4uer*innen und Kunsthandwerker*innen sowie deren Familien vom Fairen Handel.<\/p>\n<p>Doch wie steht es um die Vision eines gerechten Welthandels? Was hat der Faire Handel in 50 Jahren erreicht? Von der Jutetasche als politisches Statement Ende der 70er Jahre bis aktuell zur erfolgreichen Mobilisierung f\u00fcr ein Lieferkettengesetz war es ein weiter Weg. Dazwischen erlebte der Faire Handel eine wechselvolle Geschichte. Er startete als \u201eBildungsprojekt\u201c, um f\u00fcr unfaire Handelsbedingungen zu sensibilisieren. Dann kam der Handel mit wenigen Produkten dazu, um zu zeigen, dass und wie es in der Praxis gehen k\u00f6nnte. Als \u201eAlternativer Handel\u201c gestartet, ging es der Bewegung urspr\u00fcnglich um einen Strukturwandel weltweit, hin zu gerechteren Handelsbedingungen f\u00fcr alle. Auf Druck der Handelspartner im Globalen S\u00fcden, die sich gr\u00f6\u00dfere Absatzm\u00f6glichkeiten w\u00fcnschten, kam es zur Ausweitung in den Mainstream, dem Verkauf fairer Produkte im Lebensmitteleinzelhandel. Dann kam f\u00fcr viele der \u201eS\u00fcndenfall\u201c, n\u00e4mlich der Verkauf fairer Produkte im Discounter. Die Diskussion dar\u00fcber hat die Fair-Handels-Bewegung fast gespalten. Eine Zeitlang haben glaubte man mit Slogans \u201eFairer Handel ist Politik mit dem Einkaufskorb, die Konsument*innen k\u00f6nnten es richten. In der Tat haben sich die Ums\u00e4tze mit fairen Produkten positiv entwickelt. Doch dieser Erfolg relativiert sich, wenn man in Betracht zieht, dass der Marktanteil von fairem Kaffee erst bei 6,7 % liegt. Das zeigt: Wirkliche Ver\u00e4nderungen k\u00f6nnen nur \u00fcber politische Rahmensetzungen erfolgen. Diese kommen aber nur mit \u00f6ffentlichem Druck zustande.<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe Verdienst der Fair-Handels-Bewegung ist, zu zeigen dass Fairer Handel wirtschaftlich m\u00f6glich ist und erfolgreich sein kann. Als gr\u00f6\u00dfte entwicklungspolitische Bewegung in Deutschland hat die Fair-Handelsbewegung eine starke Basis, die es vermag, besagten Druck zu erzeugen. Mittlerweile wird sie in der \u00d6ffentlichkeit und von der Politik geh\u00f6rt und einbezogen.<\/p>\n<p>Und welches sind die gro\u00dfen Baustellen der Zukunft?<\/p>\n<p>Eine unmittelbare \u201eBedrohung\u201c stellen die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie f\u00fcr die Handelspartner im Globalen S\u00fcden dar. Noch ist nicht abzusehen, wie viel von dem, was in 50 Jahren Fairem Handel aufgebaut wurde, verloren gehen wird. Langfristig besteht die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung in der Klimakrise. Sie trifft besonders die Menschen im Globalen S\u00fcden, die von der Landwirtschaft abh\u00e4ngig und so wichtig f\u00fcr die globale Ern\u00e4hrungssicherheit sind. Verwerfungen in Folge der Klimakrise sind vorprogrammiert. Wie auch im Fall Corona k\u00f6nnen die Produzent*innen meist nicht auf Unterst\u00fctzung seitens ihrer Regierungen hoffen. Die Handelspartner bei deren Bew\u00e4ltigung zu unterst\u00fctzen, ist also eine wichtige Zukunftsaufgabe f\u00fcr den Fairen Handel. Auf der Ebene des n\u00f6tigen gesellschaftlichen Wandels gilt es, gegen die Folgen der \u201eGeiz ist geil\u201c-Mentalit\u00e4t anzugehen &#8211; und sei es durch staatliche Eingriffe, wie einem gesetzlichen Dumping-Verbot f\u00fcr Lebensmittel. Die zunehmende Machtkonzentration im Handel und die Preisspirale nach unten zerst\u00f6ren Menschenleben und den Planeten.<\/p>\n<p>Wie kann die Fair-Handels-Bewegung zuk\u00fcnftig noch st\u00e4rker zu einer Ver\u00e4nderung unseres<\/p>\n<p>wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systems beitragen?<\/p>\n<p>Die Antwort darauf: Allianzen schmieden. Der Faire Handel muss sich noch st\u00e4rker \u00f6ffnen und den Schulterschluss mit gleichgesinnten Bewegungen wagen. Au\u00dferdem muss in Politik und Gesellschaft noch deutlicher gemacht werden, wie viel der Faire Handel zur L\u00f6sung globaler Herausforderungen beitr\u00e4gt und wie umfassend dessen Ansatz ist. Er muss vorhandenen Kr\u00e4fte b\u00fcndeln, um der weltweit vorherrschenden Macht- und Profitgier das Prinzip \u201ePeople and Planet before Profit\u201c entgegenzusetzen. Leider hat die Welt daf\u00fcr keine weiteren 50 Jahre Zeit.<\/p>\n<p>Marion Dorner, Eine Welt Verein Kressbronn e. V. Quelle: Forum Fairer Handel, aktuelle Zahlen 2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Fair-Handels-Bewegung in Deutschland wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Sie entstand Anfang der 1970er-Jahre in Europa als christliche Jugend- und Studentenorganisationen. W\u00e4hrend der sogenannten Hungerm\u00e4rsche protestierten sie in 70 deutschen St\u00e4dten gegen die wachsende Benachteiligung von Produzent*innen aus dem globalen S\u00fcden am Weltmarkt und forderten faire Handelsbeziehungen. 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