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Honig, Schokolade und selbst gehäkelte Pullover: Unser Besuch im Weltladen

Als wir morgens in die Schule kamen, wussten wir noch nichts von unserem Besuch im Weltladen. Wir freuten uns sehr über diese Nachricht, denn Ausflüge zu machen ist immer schön und lehrreich.

Es war sehr spannend und interessant, weil Marion Dorner und ihre Kollegin uns viele Sachen über Lebensmittel aus anderen Ländern erzählten.

Zum Beispiel, dass dahinter keine Kinderarbeit, aber dafür fairer Handel steckt.

Die großen Firmen, die sich dafür einsetzen, heißen GEPA, El Puente, fair gehandelt und fair + bio.

Zu kaufen gibt es dort Bananen, Wein, Schokolade, Tee, Kaffee, Gewürze, Honig, jede Menge selbst gehäkelte Gegenstände, Ketten und Schmuck. Natürlich alles fair gehandelt und ohne Kinderarbeit.

Wer ein schönes Geschenk sucht, ist hier genau richtig!

Frau Dorner erzählte uns noch, dass jeder Deutsche im Jahr 10 kg Schokolade isst. Das sind unglaubliche 100 Tafeln Schokolade!

Dann durften sich die Kinder in Gruppen aufteilen und sich einen Gegenstand aussuchen, den sie kurz präsentieren durften.

Siena nahm einen Schlüsselanhänger in Form eines Lamas.

Eddie und Stavros nahmen Schokolade, genau wie Eric, Daniel und Stefan.

Elia, Phillip, Justin und Nico suchten sich Honig aus Mexiko aus.

Lea und Leyla wählten Topflappen aus vielen kleinen gefilzten Bällchen.

Isabell entschied sich für einen kleinen Traumfänger.

Ein gut duftendes Hautöl stellten Dara, Lia und Liana vor.

Julia präsentierte eine Seife in einem getrockneten Bananenblatt.

Als wir aus dem Weltladen gingen, durfte sich jedes Kind noch ein Stück Schokolade nehmen. Sie war sehr lecker, besonders weil die Bauern dafür genügend Geld für ihren Lebensunterhalt verdienen und weil kein Kind dafür für einen Hungerlohn gearbeitet hat.

Elia und Phillip im Namen der Klasse 4a der Nonnenbach-Grundschule

50 Jahre Fairer Handel in Deutschland

Die Fair-Handels-Bewegung in Deutschland wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Sie entstand Anfang der 1970er-Jahre in Europa als christliche Jugend- und Studentenorganisationen. Während der sogenannten Hungermärsche protestierten sie in 70 deutschen Städten gegen die wachsende Benachteiligung von Produzent*innen aus dem globalen Süden am Weltmarkt und forderten faire Handelsbeziehungen. Etwa 30.000 Menschen nahmen 1970 in ganz Deutschland an den Kundgebungen teil. Die Hungermärsche gelten als bis dahin größte Solidaritätsaktion für Länder des Globalen Südens in der Geschichte der Bundesrepublik.

In den Folgejahren boten immer mehr Aktionsgruppen und Weltläden fair gehandelte Waren an. Aktivist*innen gründeten die ersten Fair-Handels-Organisationen wie GLOBO, El Puente und GEPA. 1973 öffnete auch der erste deutsche Weltladen in Stuttgart. Heute profitieren rund 2,5 Millionen Kleinbäuer*innen und Kunsthandwerker*innen sowie deren Familien vom Fairen Handel.

Doch wie steht es um die Vision eines gerechten Welthandels? Was hat der Faire Handel in 50 Jahren erreicht? Von der Jutetasche als politisches Statement Ende der 70er Jahre bis aktuell zur erfolgreichen Mobilisierung für ein Lieferkettengesetz war es ein weiter Weg. Dazwischen erlebte der Faire Handel eine wechselvolle Geschichte. Er startete als „Bildungsprojekt“, um für unfaire Handelsbedingungen zu sensibilisieren. Dann kam der Handel mit wenigen Produkten dazu, um zu zeigen, dass und wie es in der Praxis gehen könnte. Als „Alternativer Handel“ gestartet, ging es der Bewegung ursprünglich um einen Strukturwandel weltweit, hin zu gerechteren Handelsbedingungen für alle. Auf Druck der Handelspartner im Globalen Süden, die sich größere Absatzmöglichkeiten wünschten, kam es zur Ausweitung in den Mainstream, dem Verkauf fairer Produkte im Lebensmitteleinzelhandel. Dann kam für viele der „Sündenfall“, nämlich der Verkauf fairer Produkte im Discounter. Die Diskussion darüber hat die Fair-Handels-Bewegung fast gespalten. Eine Zeitlang haben glaubte man mit Slogans „Fairer Handel ist Politik mit dem Einkaufskorb, die Konsument*innen könnten es richten. In der Tat haben sich die Umsätze mit fairen Produkten positiv entwickelt. Doch dieser Erfolg relativiert sich, wenn man in Betracht zieht, dass der Marktanteil von fairem Kaffee erst bei 6,7 % liegt. Das zeigt: Wirkliche Veränderungen können nur über politische Rahmensetzungen erfolgen. Diese kommen aber nur mit öffentlichem Druck zustande.

Der große Verdienst der Fair-Handels-Bewegung ist, zu zeigen dass Fairer Handel wirtschaftlich möglich ist und erfolgreich sein kann. Als größte entwicklungspolitische Bewegung in Deutschland hat die Fair-Handelsbewegung eine starke Basis, die es vermag, besagten Druck zu erzeugen. Mittlerweile wird sie in der Öffentlichkeit und von der Politik gehört und einbezogen.

Und welches sind die großen Baustellen der Zukunft?

Eine unmittelbare „Bedrohung“ stellen die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie für die Handelspartner im Globalen Süden dar. Noch ist nicht abzusehen, wie viel von dem, was in 50 Jahren Fairem Handel aufgebaut wurde, verloren gehen wird. Langfristig besteht die größte Herausforderung in der Klimakrise. Sie trifft besonders die Menschen im Globalen Süden, die von der Landwirtschaft abhängig und so wichtig für die globale Ernährungssicherheit sind. Verwerfungen in Folge der Klimakrise sind vorprogrammiert. Wie auch im Fall Corona können die Produzent*innen meist nicht auf Unterstützung seitens ihrer Regierungen hoffen. Die Handelspartner bei deren Bewältigung zu unterstützen, ist also eine wichtige Zukunftsaufgabe für den Fairen Handel. Auf der Ebene des nötigen gesellschaftlichen Wandels gilt es, gegen die Folgen der „Geiz ist geil“-Mentalität anzugehen – und sei es durch staatliche Eingriffe, wie einem gesetzlichen Dumping-Verbot für Lebensmittel. Die zunehmende Machtkonzentration im Handel und die Preisspirale nach unten zerstören Menschenleben und den Planeten.

Wie kann die Fair-Handels-Bewegung zukünftig noch stärker zu einer Veränderung unseres

wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systems beitragen?

Die Antwort darauf: Allianzen schmieden. Der Faire Handel muss sich noch stärker öffnen und den Schulterschluss mit gleichgesinnten Bewegungen wagen. Außerdem muss in Politik und Gesellschaft noch deutlicher gemacht werden, wie viel der Faire Handel zur Lösung globaler Herausforderungen beiträgt und wie umfassend dessen Ansatz ist. Er muss vorhandenen Kräfte bündeln, um der weltweit vorherrschenden Macht- und Profitgier das Prinzip „People and Planet before Profit“ entgegenzusetzen. Leider hat die Welt dafür keine weiteren 50 Jahre Zeit.

Marion Dorner, Eine Welt Verein Kressbronn e. V. Quelle: Forum Fairer Handel, aktuelle Zahlen 2020