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Wir sind Gold wert!

Ohne Smartphone & Co. geht heutzutage fast nichts mehr. Wir kaufen damit ein, wir spielen und fotografieren damit. Wir halten Kontakt zu unseren Freunden, stellen damit die Heizung an, bevor wir nach Hause kommen und überwachen unseren Puls beim Joggen.

Doch die Geräte haben eine dunkle Kehrseite. Für die Herstellung werden wertvolle Rohstoffe benötigt, die teilweise unter fragwürdigen Bedingungen für Arbeiterinnen und Arbeiter sowie der Umwelt abgebaut werden. Die Halbwertszeit der Produkte ist kurz: Immer schneller kommen Geräte mit neuen Funktionen auf den Markt.

Wenn ein neues Handy kommt, wird das alte recycelt? Nein, aufgehoben! Laut dem Branchenverband „bitkom“ hatten im Jahr 2015 84 % aller Deutschen mindestens ein ungenutztes Altgerät zu Hause liegen. Die, die nicht fachgerecht recycelt werden, gelangen manchmal auf dubiosen Wegen in Entwicklungsländer, wo die Rohstoffe unter zweifelhaften Methoden herausgelöst werden und zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen können.

Schätzungen zufolge liegen in Deutschland über 100 Millionen Mobiltelefone ungenutzt herum.  Allein der Kupferanteil in diesen Schubladen-Handys liegt bei fast 900 Tonnen – damit kann man ein Telefonkabel fast zweimal um die Erde legen. Dazu enthalten sie viele andere Rohstoffe wie Gold, Silber und Palladium –  ein Goldschatz in der Schublade!

Baden-Württemberg startete deshalb zusammen mit vielen Organisationen aus Kirche und Zivilgesellschaft, sowie der Deutschen Telekom die landesweite Kampagne „Die Handy Aktion BW“. Sie will ins Bewusstsein rücken, welche Auswirkungen der weltweite Handyboom hat. Am Beispiel von Handys soll das Bewusstsein für den Umgang mit Ressourcen geschärft werden – und für alles, was damit zusammenhängt. Zum Beispiel die Arbeitsbedingungen der Menschen, die die notwendigen Rohstoffe abbauen oder unsere Handys zusammensetzen, oder die Folgen für die Umwelt. Damit einher gehen Sammelaktionen für alte Handys.

Was passiert mit den gesammelten Handys? Zuerst werden die Geräte von zertifizierten Fachunternehmen in Deutschland überprüft, ob sie zur Weiternutzung geeignet sind oder recycelt werden müssen. Wenn die Geräte zur Weiternutzung geeignet sind, werden alle Daten gelöscht und die Geräte aufbereitet. Aus den anderen Geräten werden die meisten Rohstoffe herausgelöst und wiederverwertet.

Im Weltladen Kressbronn steht eine Sammelbox vom Internationalen katholischen Hilfswerk Missio, in die Sie Ihr gebrauchtes Handy hineingeben können. Der Erlös der Handy-Sammelaktion fließt in nachhaltige Bildungs- und Gesundheitsprojekte im Kongo, in Uganda und Äthiopien.

Machen Sie mit, machen Sie Ihr nicht mehr benutztes Handy zu Gold – für einen guten Zweck!

Weitere ausführliche Informationen unter: www.handy-aktion.de und www.heldenshop-bw.de/shop/gzw-smartphone

Handy Spende Aktion

Haben sie schon die neue Handy Spende Aktion des Weltladens gesehen…?
Über 124 Millionen ausgediente Handys liegen ungenutzt in Deutschen Schubladen. Dabei können diese Geräte noch viel Gutes bewirken. 
Mitmachen, helfen und gewinnen!🍀
Unter allen Einsendern verlost missio je 10 Preise, darunter als Hauptpreis ein fair gehandeltes Handy.📱

KOMMUNALER EINKAUF: billigst oder nachhaltig und fair?

Seit der Reform des deutschen Vergaberechts in 2016 haben Kommunen die Chance – unabhängig vom Auftragswert – im Vergabeverfahren verbindliche Anforderungen an die Nachhaltigkeit der zu beschaffenden Güter und Dienstleistungen zu stellen sowie soziale und umweltbezogenen Aspekte mit 14einzubeziehen. Es muss also nicht mehr gelten: das preisgünstigste Angebot gewinnt!

Öffentliche Auftraggeber in Deutschland beschaffen jährlich Produkte und Dienstleistungen im Wert von rd. 400 Mrd. €, was ca. 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Etwa die Hälfte der Ausgaben entfällt auf die Kommunen. Damit haben diese eine große Einkaufsmacht, die sich nutzen ließe, um den Einkauf fairer und nachhaltiger zu gestalten.

Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dr. Gerd Müller, wandte sich bereits im Juni 2016 mit einem Schreiben an  a l l e  Kommunen. Darin heißt es: „Wer in der Entwicklung nicht stehenbleiben will, muss regelmäßig über Gewohnheiten und etablierte Abläufe nachdenken und sich fragen: Ist das noch zeitgemäß? Konkret nehme ich Bezug auf die Beschaffung von Gütern, die in der kommunalen Verwaltung benötigt werden. Viele dieser Waren oder deren Rohstoffe – von Textilien für Sicherheits- und Arbeitsbekleidung über Pflastersteine bis hin zu Kaffee und Tee – kommen originär aus den Ländern des Globalen Südens. Dort wird die Baumwolle gepflückt, der Steinbruch bearbeitet oder der Kaffee und Tee angebaut. Als verantwortungsvolle Verwaltung müssen wir uns die Frage stellen: Sind die Produktionsbedingungen vor Ort fair? Werden Sozial- und Umweltstandards eingehalten? Können wir die Güter guten Gewissens nutzen, oder nur auf Kosten der Menschen, die sie vor Ort produzieren?“

Dann nimmt er Bezug auf die konkrete Beschaffungspraxis der Kommunen und schreibt: „Lassen Sie uns gemeinsam etwaige Fairness-Lücken schließen, die es immer noch in großer Menge gibt. Dies ist einfacher als man denkt und gewinnt durch die Reform des deutschen Vergaberechts im April 2016 noch mehr an Bedeutung. Zertifikate über die Einhaltung der ILO (International Labour Organisation)-Kernarbeitsnormen lassen sich bei vielen Herstellern oder Lieferanten einfordern. Damit wird sichergestellt, dass die verwendeten Güter unter sozialen Mindeststandards – wie dem Verbot von ausbeuterischer Kinderarbeit oder Zwangsarbeit – hergestellt und weiterverarbeitet wurden. Deswegen startete die Servicestelle Kommunen in der einen Welt (SKEW) die Kampagne DEUTSCHLAND FAIRGLEICHT mit dem Appell: Vergleichen Sie Angebote nicht nur nach dem Preis, sondern auch nach Kriterien der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit. Das Team der SKEW berät Sie hierzu gerne persönlich und unterstützt Sie bei der Realisierung der Fairen Beschaffung in Ihrer Kommune.“

Diesem Ansinnen ist aus Sicht des Fairen Handels und des EineWeltVereins Kressbronn nichts hinzuzufügen. Wichtige Informationen, inwieweit soziale und ökologische Kriterien in Vergaben eingebunden werden können, welche Gemeinderatsbeschlüsse, Dienstanweisungen und Richtlinien angepasst und beachtet werden müssen, bietet der kommunale „Nachhaltigkeitskompass“ (www.kompass-nachhaltigkeit.de)

Was wäre in Kressbronn also zu tun? Es sind Ratsbeschlüsse herbei zu führen, die die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Beschaffung festschreiben. Im Rahmen eines Beschlusses wäre auch festzulegen, wie und wer dies umsetzt. In diesem Zusammenhang könnten auch konkrete Ziele gesetzt – z.B. in einem „Nachhaltigkeitsleitbild Kressbronn“ und das Erreichen dieser Ziele überprüft werden. Angesichts der krisenhaften Entwicklungen in der Welt, wäre dies ein Zeichen der Verantwortlichen, dass sie gewillt sind, zu handeln.

Eine Welt Verein Kressbronn, Marion Dorner

  1. Mai 2019

Was ist am 11. Mai für ein Tag?

Es ist Weltladentag! Der Weltladentag ist der politische Aktionstag aller Weltläden und findet immer am zweiten Samstag im Mai statt. Zeitgleich feiern die Fair-Handels-Akteure weltweit den  Internationalen Tag des Fairen Handels. Seit 2015 steht die politische Kampagne unter dem Motto „Mensch. Macht. Handel. Fair“ gemeinsam mit dem EU-Projekt „Trade fair, live fair“, welches die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen SDGs (Sustainable Development Goals) in den Mittelpunkt stellt.

Getrieben vom Streben nach grenzenlosem Wachstum geht es in der Wirtschaft häufig unfair zu. Bei der Herstellung unserer Alltagsprodukte werden häufig Menschenrechte verletzt und die Umwelt zerstört. Auch deutsche Unternehmen sind immer wieder an Menschenrechtsverletzungen im Ausland beteiligt oder profitieren davon. Verheerende Unfälle in Textilfabriken Asiens, die Vertreibung von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Afrika, Kinderarbeit und Pestizidvergiftungen auf usbekischen Baumwollfeldern, der Coltanabbau in den Minen des Kongos für unsere Handys, der Kohleimport aus Kolumbien auf Kosten einheimischer Gemeinschaften sind dafür nur einige Beispiele.

Wie sähe eine Welt aus, in der Unternehmen nicht mehr dem Profit, sondern zu allererst den Menschen und dem Planeten verpflichtet sind? Entsprechend den 2011 vom UN-Menschenrechtsrat einstimmig angenommenen Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte ist es die Pflicht der Staaten, alle Menschen vor Verletzung ihrer Menschenrechte, auch durch Unternehmen, zu schützen. Staaten sollen wirksame Maßnahmen treffen, um Menschenrechtsverletzungen durch Unternehmen zu verhindern und zu ahnden. Im Dezember 2016 verabschiedete die Bundesregierung einen Aktionsplan „Wirtschaft und Menschenrechte“ (NAP). Dieser ist ein erster Schritt zur Umsetzung der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte. Er geht aber nicht weit genug, denn die Bundesregierung setzt darin weiterhin auf freiwillige Maßnahmen für Unternehmen, anstatt sie gesetzlich festzuschreiben. Dabei zeigen Erfahrungen, dass freiwillige Maßnahmen für Unternehmen zum Schutz der Menschenrechte nicht ausreichen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat deshalb ein „Wertschöpfungskettengesetz“ entworfen, welches die Unternehmen verpflichtet, ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht entlang ihrer gesamten Lieferkette nachzukommen.

Die Fair-Handelsbewegung begrüßt diesen Gesetzentwurf und  möchte den Weltladentag nutzen, darauf aufmerksam zu machen, dass  freiwillige Selbstverpflichtungen von Unternehmen in Sachen Menschenrechten uns nicht weiterbringen.

Der Tag ist aber auch eine gute Gelegenheit, den Weltladen Kressbronn kennen zu lernen, ins Gespräch zu kommen, zu diskutieren und schöne, fair gehandelte Produkte zu entdecken. Genießen Sie dabei leckeres Essen und Trinken aus fair gehandelten Zutaten und weitere Überraschungen.

Wir freuen uns über Ihren Besuch.

Marion Dorner und das ganze Weltladenteam

Wissen Sie wo die Schokolade wächst?

Nein? Dann fragen Sie doch die SchülerInnen der Nonnenbachschule. Denn mehr als hundert Kinder der 1. bis 4. Klasse durften im Rahmen der Projektwoche „Reise um die Welt“ mit dem Weltladenteam als Reiseleiter auf eine Schokoexpedition nach Ghana in Afrika fliegen.

Wo wächst der Kakaobaum und wie schauen seine Früchte aus? Wie werden sie geerntet und weiter verarbeitet? Wie vieler Hände Arbeit bedarf es und wie weit ist der Weg von der Kakaoplantage bis zum Verkauf der Schokolade?

Wie sehen das Fruchtfleisch der Kakaofrucht und die
darin verborgenen Kakaobohnen aus? Wie riecht und vor allem wie schmeckt das alles? Ansehen, riechen, schmecken durften die Kinder alle Produkte, die aus der Kakaofrucht entstehen, z.B. Kakaonibs, Kakaopulver, Kakaobutter, Kakaotee und natürlich das Endprodukt, die Schokolade. Erstaunt stellten sie fest, dass die Kakaobohne nun so gar nicht nach Schokolade schmeckt, sondern sehr bitter und die aus gemahlenen Kakaobohnen gewonnenen Kakaobutter eher „wie Labello“[2].  Mutig probierten die meisten die exotischen, unbekannten Dinge und natürlich schmeckte allen am besten – die Schokolade.

Doch der Höhepunkt der Schokoexpedition war für alle SchülerInnen sicherlich als „kleine Chocolatier“ selber Schokolade herzustellen. Aus geschmolzener Kakaobutter, dunklem Kakao und etwas Ahornsirup rührten die Kinder ihre eigene Schokolade an, die sie – nach dem Erkalten in kleine Stücke gebrochen – essen durften. „Das Schönste heute war, dass ich Schokolade selber machen durfte und ich hab vor Freude fast weinen müssen“ meine ein Mädchen auf die Frage der Lehrerin an die Schüler, was ihnen denn am besten gefallen hatte.

Doch auch von der bitteren Seite der Schokolade wurde den SchülerInnen erzählt. Viele Kinder in Ghana können nicht zur Schule gehen, weil die Eltern zu arm sind. Stattdessen verrichten hunderttausende dieser Kinder tagtäglich auf Kakaoplantagen schwere körperliche, gefährliche und gesundheitsschädliche Arbeit und bekommen dafür sehr wenig oder gar keinen Lohn. Während sich die Kinder hier von ihrem Taschengeld Schokolade kaufen können, haben die meisten der Kinder in Ghana noch nie Schokolade gesehen oder gar gegessen. Hier im Supermarkt gibt es billige Schokolade, die sich jeder leisten kann während die Kakaobauern in Afrika so wenig Geld bekommen, dass das Einkommen nicht zum Leben reicht. Das fanden alle SchülerInnen doch sehr ungerecht. Alle waren der Meinung, die Kakaobauern sollten faire Preise für ihre Ernte bekommen, so wie bei „fair trade“ Schokolade. Nur so könnten die Kinder in der Schule viel lernen und hätten später ein besseres Leben.

Die Neugierde und der Eifer mit denen die Kinder dabei waren sind für uns die Bestätigung, dass das ehrenamtliche Engagement des Eine Welt Vereins Kressbronn im „Globalen Lernen“, wichtig ist.  Es ist der richtige Weg,  den Heranwachsenden die globalisierte Welt als „Eine Welt“ verständlich zu machen, Zusammenhänge zwischen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Entwicklungen zu vermitteln und das Verantwortungsbewusstsein der Heranwachsenden zu stärken.

Marion Dorner und Michaela Fries

[2] Kakaobutter ist häufiger Bestandteil von Kosmetika