Gemeinsam für ein Lieferkettengesetz

Am 9. Mai ist der Internationale Tag des Fairen Handels bzw. der Weltladentag. An diesem Tag macht die Fair-Handels-Bewegung auf ihre Vision einer gerechteren Welt sowie eines Handels zum Wohle von Menschen und Umwelt aufmerksam. Der Weltladentag 2020 steht im Zeichen unserer langjährigen Forderung nach einem Lieferkettengesetz, das Menschen- und Arbeitsrechte überall auf der Welt verbindlich schützt.
Bei der Herstellung unserer Alltagsprodukte werden häufig Menschenrechte verletzt und die Umwelt zerstört. Auch deutsche Unternehmen sind immer wieder – direkt oder indirekt – an Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzungen im Ausland beteiligt oder profitieren davon, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Wie aber sähe eine Welt aus, in der Unternehmen nicht mehr dem Profit Einzelner, sondern Mensch und Umwelt verpflichtet sind? Der Faire Handel zeigt seit 50 Jahren, dass ein anderes Wirtschaften möglich ist, dass es möglich ist, Menschenrechte und Umwelt entlang globaler Lieferketten zu achten.
Doch der Faire Handel darf nicht länger die Ausnahme bleiben. Es ist an der Zeit, einheitliche Regeln für alle Unternehmen festzuschrieben. Die Missachtung von Menschenrechten und Umweltstandards im globalen Süden darf den Unternehmen im globalen Norden keinen Wettbewerbsvorteil mehr bieten! Da viele Unternehmen dieser zutiefst humanen Verantwortung freiwillig nicht ausreichend nachkommen, braucht es ein Lieferkettengesetz. Unternehmen, die Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden bei der heutzutage weltweit verstreuten Produktion verursachen oder billigend in Kauf nehmen, müssen endlich dafür haften. Diese Verbindlichkeit zu schaffen, ist Aufgabe unserer Politiker. Eigentlich wollten Bundesentwicklungsminister Müller und Arbeitsminister Heil Mitte Februar ihre Eckpunkte für solch ein Gesetz vorstellen. Doch dann pfiff sie das Kanzleramt zurück. Grund ist vermutlich auch die Corona-Krise, die zurzeit das gesamte politische Geschehen dominiert.
Doch gerade in Zeiten von Corona ist es wichtig, Menschenrechte entlang der Lieferketten in den Fokus zu nehmen! Denn die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Menschen in den armen Ländern des globalen Südens sind schon jetzt dramatisch. Produzent*innen und Arbeiter*innen sind aufgrund fehlender finanzieller Absicherung und medizinischer Versorgung besonders gefährdet. Viele Beispiele aus dem globalen Süden zeigen, dass wir dringend ein Lieferkettengesetz brauchen, denn, ein solches Gesetz würde dazu beitragen, die negativen Auswirkungen zu verhindern oder abzumildern. Die „Initiative Lieferkettengesetz“, die von der EU und dem BMZ gefördert wird, fordert, dass noch in dieser Legislaturperiode ein Lieferkettengesetz in Deutschland erarbeitet wird. Wenn Sie mehr darüber wissen wollen und die Initiative unterstützen möchten, finden Sie Informationen unter

https://lieferkettengesetz.de/

Abgesehen von Thema Lieferkettengesetz: Die Corona-Krise bietet die Chance, einen ganz neuen Blick auf viele Fragen zu Solidarität und Gerechtigkeit zu werfen. Vielleicht haben wir nach der Krise eine andere Sicht auf die Welt und unsere Rolle darin? Vielleicht steigt unsere Wertschätzung gegenüber Menschen, Dingen und Dienstleistungen, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass sie eben nicht selbstverständlicher Teil unseres Alltags sind? Nutzen wir die Möglichkeit, eine globale Perspektive einzunehmen und auch die Menschen in den Fokus zu rücken, die Produkte unseres täglichen Bedarfs wie Kaffee, Tee, Baumwolle und Kleidung herstellen. Auch sie und ihre Arbeit haben mehr Wertschätzung verdient.