Der Stoff aus dem die Träume sind

Der Kleiderschrank ist voll und trotzdem nichts anzuziehen? Wer von uns kennt das nicht! Outfits geraten heute immer schneller aus der Mode, das Mode-Karussell dreht sich immer rasanter: Seit dem Jahr 2000 hat sich die weltweite Textilproduktion mehr als verdoppelt. Gab es früher zwei Kollektionen im Jahr, sind es heute bis zu 24! Bei manchen Modeketten hängt sogar täglich neue Ware am Ständer. Was gut geht, wird sofort nachproduziert, was liegen bleibt, wird umgehend preisreduziert angeboten. Und die Konsumenten greifen zu: Einen Pulli, der nicht mehr als ein Modeheft kostet, kann man sich fast immer leisten. Viele kaufen Klamotten nicht mehr nach Bedarf, sondern aus Zeitvertreib. Die Folge: In deutschen Kleiderschränken stapeln sich heute viermal so viele Hosen, Jacken und Blusen wie 1980.
Die Deutschen sind Weltmeister im Kleider kaufen, nur die Amerikaner shoppen noch mehr. Der deutsche Bekleidungsmarkt ist der wichtigste in Europa. Immer neue Modeketten tauchen in den Innenstädten auf, die mit unglaublich günstigen Preisen die Kunden in ihre Geschäfte locken.
Den wahren Preis dabei zahlen andere! Zum Beispiel die Landarbeiter auf den Baumwollfeldern oder die Näherinnen in Bangladesch. Das bevölkerungsreiche Land hat seine Textilexporte von 2010 bis 2015 um 63 Prozent gesteigert. Rund 5.000 Firmen beschäftigen über vier Millionen Arbeitskräfte, überwiegend Frauen. Die Löhne sind gering, die Arbeitsbedingungen miserabel, 14-Stunden-Tage, kaum Urlaub und oft gefährliche Arbeitsplätze. Immer wieder kommen Arbeiter bei Unglücken ums Leben. Erinnern wir uns an den April 2013 als die neunstöckige Bekleidungsfabrik Rana Plaza einstürzte und 1.100 Menschen unter sich begrub. Überlebende kämpfen heute noch für Entschädigungen. Ganz zu schweigen von den Schäden durch den umweltschädigenden Einsatz der Ressourcen Wasser, Boden und Energie oder belastenden Chemikalien.
Ist Masse wirklich klasse? Muss dauernd etwas Neues her, wenn man hip und angesagt bleiben will? Ist der Kleiderschrank nicht schon voll genug? Und: die meisten Kleidungsstücke werden weder fair noch nachhaltig und umweltschonend hergestellt. Aber lassen sich Mode und Nachhaltigkeit überhaupt vereinen? Wie geht „grünes shoppen“?
Hier ein paar Tipps von „Future Fashion“ – einer jungen Bewegung in Baden Württemberg für einen nachhaltigen Mode- und Textilkonsum. Initiatorin und Trägerin von Future Fashion ist die Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) (www.sez.de).
– Eigene Wünsche kritisch hinterfragen: Brauche ich wirklich noch mehr Kleidung?
– „Grüne“ Mode kaufen, auf Qualität und Textillabel achten.
– Second Hand kaufen: In Vintage-Shops, auf Kleiderbasaren oder in Online-Kauf- und Tauschbörsen.
– Aufs Waschetikett schauen: Angaben wie separat waschen, bügel- und knitterfrei weisen auf kritischen Chemikalieneinsatz hin.
– Umweltbewusst waschen: Waschmittel genau dosieren, niedrige Waschtemperatur wählen, auf Trockner und Weichspüler verzichten.
– Gut erhaltene Kleidung an karitative Organisationen geben.
Weniger kann mehr sein – wenn man auf Qualität achtet, nicht jedem Trend hinterherrennt, sondern sich etwas Zeitloses und Nachhaltiges zulegt. Und wer weniger Billigteile kauft, kann auch mehr für ein nachhaltig hergestelltes Einzelstück ausgeben.