50 Jahre Fairer Handel in Deutschland

Die Fair-Handels-Bewegung in Deutschland wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Sie entstand Anfang der 1970er-Jahre in Europa als christliche Jugend- und Studentenorganisationen. Während der sogenannten Hungermärsche protestierten sie in 70 deutschen Städten gegen die wachsende Benachteiligung von Produzent*innen aus dem globalen Süden am Weltmarkt und forderten faire Handelsbeziehungen. Etwa 30.000 Menschen nahmen 1970 in ganz Deutschland an den Kundgebungen teil. Die Hungermärsche gelten als bis dahin größte Solidaritätsaktion für Länder des Globalen Südens in der Geschichte der Bundesrepublik.

In den Folgejahren boten immer mehr Aktionsgruppen und Weltläden fair gehandelte Waren an. Aktivist*innen gründeten die ersten Fair-Handels-Organisationen wie GLOBO, El Puente und GEPA. 1973 öffnete auch der erste deutsche Weltladen in Stuttgart. Heute profitieren rund 2,5 Millionen Kleinbäuer*innen und Kunsthandwerker*innen sowie deren Familien vom Fairen Handel.

Doch wie steht es um die Vision eines gerechten Welthandels? Was hat der Faire Handel in 50 Jahren erreicht? Von der Jutetasche als politisches Statement Ende der 70er Jahre bis aktuell zur erfolgreichen Mobilisierung für ein Lieferkettengesetz war es ein weiter Weg. Dazwischen erlebte der Faire Handel eine wechselvolle Geschichte. Er startete als „Bildungsprojekt“, um für unfaire Handelsbedingungen zu sensibilisieren. Dann kam der Handel mit wenigen Produkten dazu, um zu zeigen, dass und wie es in der Praxis gehen könnte. Als „Alternativer Handel“ gestartet, ging es der Bewegung ursprünglich um einen Strukturwandel weltweit, hin zu gerechteren Handelsbedingungen für alle. Auf Druck der Handelspartner im Globalen Süden, die sich größere Absatzmöglichkeiten wünschten, kam es zur Ausweitung in den Mainstream, dem Verkauf fairer Produkte im Lebensmitteleinzelhandel. Dann kam für viele der „Sündenfall“, nämlich der Verkauf fairer Produkte im Discounter. Die Diskussion darüber hat die Fair-Handels-Bewegung fast gespalten. Eine Zeitlang haben glaubte man mit Slogans „Fairer Handel ist Politik mit dem Einkaufskorb, die Konsument*innen könnten es richten. In der Tat haben sich die Umsätze mit fairen Produkten positiv entwickelt. Doch dieser Erfolg relativiert sich, wenn man in Betracht zieht, dass der Marktanteil von fairem Kaffee erst bei 6,7 % liegt. Das zeigt: Wirkliche Veränderungen können nur über politische Rahmensetzungen erfolgen. Diese kommen aber nur mit öffentlichem Druck zustande.

Der große Verdienst der Fair-Handels-Bewegung ist, zu zeigen dass Fairer Handel wirtschaftlich möglich ist und erfolgreich sein kann. Als größte entwicklungspolitische Bewegung in Deutschland hat die Fair-Handelsbewegung eine starke Basis, die es vermag, besagten Druck zu erzeugen. Mittlerweile wird sie in der Öffentlichkeit und von der Politik gehört und einbezogen.

Und welches sind die großen Baustellen der Zukunft?

Eine unmittelbare „Bedrohung“ stellen die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie für die Handelspartner im Globalen Süden dar. Noch ist nicht abzusehen, wie viel von dem, was in 50 Jahren Fairem Handel aufgebaut wurde, verloren gehen wird. Langfristig besteht die größte Herausforderung in der Klimakrise. Sie trifft besonders die Menschen im Globalen Süden, die von der Landwirtschaft abhängig und so wichtig für die globale Ernährungssicherheit sind. Verwerfungen in Folge der Klimakrise sind vorprogrammiert. Wie auch im Fall Corona können die Produzent*innen meist nicht auf Unterstützung seitens ihrer Regierungen hoffen. Die Handelspartner bei deren Bewältigung zu unterstützen, ist also eine wichtige Zukunftsaufgabe für den Fairen Handel. Auf der Ebene des nötigen gesellschaftlichen Wandels gilt es, gegen die Folgen der „Geiz ist geil“-Mentalität anzugehen – und sei es durch staatliche Eingriffe, wie einem gesetzlichen Dumping-Verbot für Lebensmittel. Die zunehmende Machtkonzentration im Handel und die Preisspirale nach unten zerstören Menschenleben und den Planeten.

Wie kann die Fair-Handels-Bewegung zukünftig noch stärker zu einer Veränderung unseres

wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systems beitragen?

Die Antwort darauf: Allianzen schmieden. Der Faire Handel muss sich noch stärker öffnen und den Schulterschluss mit gleichgesinnten Bewegungen wagen. Außerdem muss in Politik und Gesellschaft noch deutlicher gemacht werden, wie viel der Faire Handel zur Lösung globaler Herausforderungen beiträgt und wie umfassend dessen Ansatz ist. Er muss vorhandenen Kräfte bündeln, um der weltweit vorherrschenden Macht- und Profitgier das Prinzip „People and Planet before Profit“ entgegenzusetzen. Leider hat die Welt dafür keine weiteren 50 Jahre Zeit.

Marion Dorner, Eine Welt Verein Kressbronn e. V. Quelle: Forum Fairer Handel, aktuelle Zahlen 2020

Faire Woche 2020 – Fair handeln für ein gutes Leben!

Wir alle träumen von einem guten Leben. Aber was macht ein gutes Leben überhaupt aus und wie garantieren wir, dass jeder Mensch die Chance auf ein solches bekommt? Antworten gibt die Faire Woche, die größte Aktionswoche des Fairen Handels. Vom 11. bis zum 25. September finden bundesweit Aktionen rund um das Motto „Fair statt mehr. #FairHandeln für ein gutes Leben“ statt.

Was brauchen wir für ein gutes Leben? Was trägt der Faire Handel zum Wandel zu einer nachhaltigen Lebensweise bei? Bei der Fairen Woche 2020 dreht sich unter dem Motto „Fair statt mehr“ alles um das 12. UN-Nachhaltigkeitsziel: Nachhaltiger Konsum und Produktion.

Mit dem Jahresthema möchten wir die Frage aufwerfen, was wir für ein „Gutes Leben“ eigentlich wirklich brauchen – und wie wir dazu beitragen können, dass möglichst alle Menschen ein gutes Leben führen können. Wir möchten dazu einladen, diese Fragen zu stellen und während der Fairen Woche 2020 Antworten zu finden. Denn schon heute gibt es eine Vielzahl an Menschen und Initiativen, die sich aufgemacht haben, andere Formen des Wirtschaftens zu gestalten und zu leben. Mit der Fairen Woche möchten wir diese neuen Ansätze bekannter machen, Vernetzungen anregen und Lust machen, neue Wege auszuprobieren.

Schauen Sie bei uns im Kressbronner Weltladen vorbei und bei unseren Kressbronner Kooperationspartner. Die Buchhandlung LESBAR sowie der Bioladen Naturkosten Massag unterstützen diese Aktionen ebenfalls mit tollen Büchern und passenden Produkten. Auf dem Kressbronner Wochenmarkt sind wir am Donnerstag, den 17.09. mit einem Infostand und unseren Kaffeespezialitäten u.v.m. vor Ort und freuen uns von Ihnen zu erfahren: Was ist für Sie ein gutes Leben`?

Mehr Anregungen und einen tollen Beitrag zu diesem Thema liefert auch der folgende Artikel von Marion Dorner, Eine Welt Verein Kressbronn e.V. ,

https://weltladen-kressbronn.de/index.php/2020/09/08/ein-gutes-leben-das-jahresthema-der-fairen-woche-2020/

Ein gutes Leben – das Jahresthema der FAIREN WOCHE 2020

„Fair statt mehr“, das diesjährige Motto der Fairen Woche ist aktueller denn je! Die weltweite Corona-Pandemie macht deutlich, wie eng wir auf der Welt verbunden und wie verwundbar wir sind. In nur wenigen Wochen brachte das Virus das öffentliche Leben zum Erliegen, unterbrach globale Lieferketten und stürzte Millionen Menschen in Arbeitslosigkeit und Existenznot – viele von ihnen ohne jede soziale Absicherung. Die Folgen sind Hunger, Not und Elend. Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) arbeiten rd. 2 Milliarden Menschen im sogenannten „informellen Sektor“, d. h. ohne feste Anstellung, etwa als Tagelöhner oder Straßenverkäufer, insbesondere in Südamerika und Afrika. Durch die Pandemie sind ihre Einkünfte um ca. 82 % eingebrochen.

Die Ärmsten in den Entwicklungs- und Schwellenländern brauchen unsere Solidarität. Eine Konsequenz der Corona-Krise ist klar: Es kann keine Rückkehr zur weltweiten Normalität der Globalisierung geben. Wir müssen in vielen Bereichen umdenken, was wir tatsächlich für ein gutes Leben brauchen und wie wir dieses gestalten wollen. Die Pandemie zeigt, wie wichtig Gerechtigkeit in der Globalisierung ist: mit klaren Spielregeln, Gesundheitsstandards, Arbeitsschutz und sozialen Sicherheitsnetzen. Das Wohl der Menschen ist nicht verhandelbar (zitiert nach Forum Fairer Handel und Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gerd Müller).

Das heißt auch: faire Preise, die Existenzen sichern und endlich dem Naturverbrauch entlang von globalen Lieferketten einen Preis geben. Denn noch nie wurden mehr Ressourcen abgebaut, abgeholzt oder verbrannt: für Mikrochips aus Coltan, für billiges Palmöl und Schokolade, für Grillkohle aus Tropenholz, für Rindersteaks. Kinder schuften für unseren Kaffee auf Plantagen, Näherinnen in Textilfabriken arbeiten 14 Stunden ohne Pause, Kakao-Bauern verdienen Hungerlöhne. Die gesamte Menschheit verbraucht pro Jahr die natürlichen Ressourcen von fast zwei Erden.

Dieser Lebensstil hat keine Zukunft – er nimmt Zukunft. Wir erwirtschaften unseren Wohlstand auf dem Rücken der Schwächsten, unserer Enkel und unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Das ist unfair und führt nicht nur ökologisch ins Verderben. Ein gutes Leben für Wenige auf Kosten Vieler, der Natur und der nachfolgenden Generationen ist nicht zukunftsfähig!

Das Konzept des guten Lebens beschreibt die Vision einer solidarischen Lebensweise, in der die Menschenrechte geachtet, die Grundbedürfnisse der Menschen befriedigt und ein respektvoller Umgang

mit der Natur gelebt wird. Kooperation statt Konkurrenz, der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht der Profit. Orientierung am Gemeinwohl, Respektierung der ökologischen Grenzen und Abkehr von der Wachstumslogik – an diesen Prinzipien muss sich das unternehmerische Handeln orientieren.

Der Faire Handel arbeitet seit 50 Jahren nach diesen Prinzipien, denn er rückt die Menschen am Anfang der globalen Lieferketten in den Mittelpunkt – damit die Menschen von ihrer Arbeit und in Würde leben können. Er orientiert sich am Gemeinwohl, in dem er soziale Projekte fördert und finanziert, die dazu beitragen, die Grundbedürfnisse der Menschen zu befriedigen. Fairer Handel stoppt die Ausbeutung von Mensch und Natur in dem er umwelt- und klimafreundliche Produktionsweisen fördert. Er setzt sich kritisch mit der Wachstumslogik auseinander, indem er gemeinsam mit anderen Bewegungen Impulse für eine sozial-ökologische Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft gibt.

Was ein gutes Leben ist, wird jede und jeder individuell für sich beantworten müssen. Ebenso unterschiedlich werden die Wege sein, ein gutes Leben zu erreichen. Sicher ist aber, dass ein gutes Leben nicht auf Kosten anderer gehen kann! In der Fairen Woche vom 11. bis 25. September 2020 wollen wir in Kooperation mit der Buchhandlung LESBAR und dem Bioladen Naturkost Massag mit verschiedenen Aktionen zum Reflektieren der eigenen Konsummuster und Handlungsroutinen anregen. Zum Beispiel können Sie sich am 17. September auf dem Kressbronner Wochenmarkt informieren oder Sie schreiben uns, was für Sie persönlich ein gutes Leben ausmacht und gestalten damit unsere Aktionswand im Weltladen. Im Bioladen erwartet Sie ein reichhaltiges Angebot nachhaltig produzierter Lebensmittel aus der Region. In der Lesbar finden Sie inspirierende Bücher zu Themen wie nachhaltiger Konsum funktionieren kann oder wie Verhaltensänderungen im Alltag gelingen können. Kommen Sie vorbei – wir freuen uns auf Sie!

 

 

Faire Schultüte

Eine „faire Schultüte“ ist eine Möglichkeit, ein Zeichen für eine  gerechtere und damit auch friedlichere Welt zu setzen. Durch den fairen Handel der Lebensmittel und Waren soll sichergestellt werden, dass die Produktion ohne illegale Kinderarbeit erfolgt und den Kindern ein Schulbesuch ermöglicht wird.

Unterstützen Sie diese Ideen, so dass nicht nur Ihre Kinder Bildung erhalten!

Leckere Naschereien und nützliche Dinge zum Schulanfang !

Mit fairen Geschenken kann man einen kleinen Teil dazu beitragen, dass die Chance auf Bildung von Kindern in anderen Erdteilen ein wenig größer wird.

Mit dieser Aktion soll das Bewusstsein für den fairen Handel schon früh bei Kindern geweckt und die Offenheit und Toleranz für andere Völker und Kulturen gefördert werden!

Kommen Sie vorbei und lassen sich inspirieren!

Eine Weltladen Auftrag Bildung

Am 22.07. 2020 und 23.07. 2020 bei uns direkt vor dem Laden ✅
Unsere Marion bei einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen –
Wissen anschaulich vermitteln ✅
Unter freiem Himmel ✅
Mit und für tolle junge Menschen ✅
Eine tolle Schule, die diesen Bereich fördert und aufklärt- Realschule Kressbronn ✅

Gerne kommen wir in Unternehmen oder Bildungsstätten und informieren, klären auf oder bieten unsere Produkte an. Bei Interesse einfach eine Email an Weltladen-kressbronn@t-online.de 📬✅

Die Krise trifft uns alle, aber nicht alle gleich

Das Corona-Virus macht einmal mehr deutlich, dass die Bewältigung der weltweiten Krisen weder kurz- noch langfristig auf nationalstaatlichen Ebenen gelingen kann. Grenzschließungen mit enormen sozialen und wirtschaftlichen Kollateralschäden, Konkurrenzen bei der globalen Beschaffung z.B. nötiger Schutzkleidung, die höchst unterschiedlichen Kapazitäten bei der Gesundheitsversorgung, die Erforschung des Virus und der Wettlauf um Impfstoffe und Medikamente, die dramatischen Folgen der

Lockdowns – all das macht überdeutlich, dass globale Solidarität und Zusammenarbeit das Gebot der Stunde und für die Zukunft überlebensnotwendig sind.

Was an vielen Orten und in berührender Weise an solidarischem Engagement entstanden ist, zeigt uns den Weg, den wir auch auf globaler Ebene gehen müssen: Verantwortung übernehmen und die in den Blick nehmen, die am meisten unter sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen leben, die sie in unglaublichem Ausmaß benachteiligen, ausgrenzen, bedrohen und ihrer Würde berauben. Die Krise trifft uns alle, aber nicht alle gleich.

Die Pandemie wirft ein grelles Licht auf bestehende Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten in unserer eigenen Gesellschaft, aber noch viel mehr global betrachtet. Wer arm ist, auf zu engem Raum wohnt, von prekären Arbeitsverhältnissen lebt, keinen Zugang zu einem funktionierenden Gesundheitssystem hat usw., den trifft die Krise mit ungebremster Wucht. Wo der Klimawandel die Lebensgrundlagen zerstört, Raubbau an der Natur unseren ressourcenintensiven Lebensstil nährt, Regierungen ihrer Verantwortung nicht gerecht werden, Menschenrechte nicht beachtet werden, dort ist man dem Virus noch viel mehr ausgeliefert. So sehen sich beispielsweise tausende Textilarbeiter*innen im globalen Süden angesichts ausbleibender oder stornierter Bestellungen mit fristlosen Kündigungen oder unbezahltem Zwangsurlaub konfrontiert, ohne staatliche Unterstützung.

Während wir hier über Einschränkungen unserer Grundrechte – sinnvollerweise! – diskutieren, nutzen nicht wenige Machthaber die Pandemie, um Menschen, die sich für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen, für mehr Demokratie, Menschen- und Bürgerrechte einsetzen, einzuschüchtern, zu verhaften und mundtot zu machen.

Wir beobachten in dieser Krise jedoch auch eine wachsende globale Solidarität, ein bewusstes Hinschauen, wo Menschen besonders betroffen sind. Auch zahlreiche Initiativen in den Arbeitsbereichen des Fairen Handels suchen über alle Grenzen hinweg Mittel und Wege, ihren Partnern im globalen Süden in dieser Krise solidarische Unterstützung zukommen zu lassen. Durch langjährige Zusammenarbeit und persönliche Beziehungen erfahren sie schnell, was gebraucht wird, was zu tun ist, und mobilisieren Unterstützung.

Im aktuellen Krisenmanagement liegt der Fokus auf unserer Situation in Deutschland, Europa und in den Industrieländern. Erst langsam weitet sich der Blick, richtet sich die Aufmerksamkeit auf den Teil der Welt, in dem Menschen prekärer und verwundbarer leben. Die erhöhte Sensibilität für ethische Fragen, Aspekte der Menschenwürde und -rechte, für Ursachen und Auswirkungen von  Ungerechtigkeiten hier bei uns und weltweit müssen wir nutzen, um gemeinsam durch diese Krise globale Solidarität zur neuen Normalität werden lassen.

Um die Produzenten im globalen Süden in der aktuellen Krise noch besser unterstützen zu können und für die Zukunft besser gewappnet zu sein, wendet sich der Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg e.V. (DEAB) in einem offenen Brief an Entscheidungsträger*innen in der Politik in Baden-Württemberg mit dem Anliegen, globale Verantwortung noch mehr in den Blick zu nehmen und sie als unverzichtbares Element in unserer Gesellschaft zu verankern.

Den vollständigen Text dieses Briefes der DEAB finden Sie unter dem link

https://www.deab.de/aktuell/detail/offener-brief-an-die-landesregierung-globale-solidaritaet-wege-zu-einer-neuen-normalitaet/

 

Gemeinsam für ein Lieferkettengesetz

Am 9. Mai ist der Internationale Tag des Fairen Handels bzw. der Weltladentag. An diesem Tag macht die Fair-Handels-Bewegung auf ihre Vision einer gerechteren Welt sowie eines Handels zum Wohle von Menschen und Umwelt aufmerksam. Der Weltladentag 2020 steht im Zeichen unserer langjährigen Forderung nach einem Lieferkettengesetz, das Menschen- und Arbeitsrechte überall auf der Welt verbindlich schützt.
Bei der Herstellung unserer Alltagsprodukte werden häufig Menschenrechte verletzt und die Umwelt zerstört. Auch deutsche Unternehmen sind immer wieder – direkt oder indirekt – an Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzungen im Ausland beteiligt oder profitieren davon, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Wie aber sähe eine Welt aus, in der Unternehmen nicht mehr dem Profit Einzelner, sondern Mensch und Umwelt verpflichtet sind? Der Faire Handel zeigt seit 50 Jahren, dass ein anderes Wirtschaften möglich ist, dass es möglich ist, Menschenrechte und Umwelt entlang globaler Lieferketten zu achten.
Doch der Faire Handel darf nicht länger die Ausnahme bleiben. Es ist an der Zeit, einheitliche Regeln für alle Unternehmen festzuschrieben. Die Missachtung von Menschenrechten und Umweltstandards im globalen Süden darf den Unternehmen im globalen Norden keinen Wettbewerbsvorteil mehr bieten! Da viele Unternehmen dieser zutiefst humanen Verantwortung freiwillig nicht ausreichend nachkommen, braucht es ein Lieferkettengesetz. Unternehmen, die Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden bei der heutzutage weltweit verstreuten Produktion verursachen oder billigend in Kauf nehmen, müssen endlich dafür haften. Diese Verbindlichkeit zu schaffen, ist Aufgabe unserer Politiker. Eigentlich wollten Bundesentwicklungsminister Müller und Arbeitsminister Heil Mitte Februar ihre Eckpunkte für solch ein Gesetz vorstellen. Doch dann pfiff sie das Kanzleramt zurück. Grund ist vermutlich auch die Corona-Krise, die zurzeit das gesamte politische Geschehen dominiert.
Doch gerade in Zeiten von Corona ist es wichtig, Menschenrechte entlang der Lieferketten in den Fokus zu nehmen! Denn die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Menschen in den armen Ländern des globalen Südens sind schon jetzt dramatisch. Produzent*innen und Arbeiter*innen sind aufgrund fehlender finanzieller Absicherung und medizinischer Versorgung besonders gefährdet. Viele Beispiele aus dem globalen Süden zeigen, dass wir dringend ein Lieferkettengesetz brauchen, denn, ein solches Gesetz würde dazu beitragen, die negativen Auswirkungen zu verhindern oder abzumildern. Die „Initiative Lieferkettengesetz“, die von der EU und dem BMZ gefördert wird, fordert, dass noch in dieser Legislaturperiode ein Lieferkettengesetz in Deutschland erarbeitet wird. Wenn Sie mehr darüber wissen wollen und die Initiative unterstützen möchten, finden Sie Informationen unter

https://lieferkettengesetz.de/

Abgesehen von Thema Lieferkettengesetz: Die Corona-Krise bietet die Chance, einen ganz neuen Blick auf viele Fragen zu Solidarität und Gerechtigkeit zu werfen. Vielleicht haben wir nach der Krise eine andere Sicht auf die Welt und unsere Rolle darin? Vielleicht steigt unsere Wertschätzung gegenüber Menschen, Dingen und Dienstleistungen, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass sie eben nicht selbstverständlicher Teil unseres Alltags sind? Nutzen wir die Möglichkeit, eine globale Perspektive einzunehmen und auch die Menschen in den Fokus zu rücken, die Produkte unseres täglichen Bedarfs wie Kaffee, Tee, Baumwolle und Kleidung herstellen. Auch sie und ihre Arbeit haben mehr Wertschätzung verdient.

 

Fairer Mund-Nasen-Schutz

Ab Donnerstag, den 30.04.2020 sind bei uns

***Alltagsmasken in verschiedenen Designs***

hergestellt bei Global Mamas in Ghana erhältlich. 

Kurze Information hierzu:

  • Die Masken aus GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle haben einen eingenähten Filter und können problemlos bei 60 Grad gewaschen werden.
  • Global Mama ist ein FairTrade Unternehmen in Ghana, in dem hauptsächlich Frauen beschäftigt sind. Normalerweise nähen die Frauen Fair Fashion für Jung & Alt. Nun haben sich die Frauen entschlossen, MNS-Masken (Mund-Nasen-Schutz) herzustellen. Zunächst wurden die eigenen Mitarbeiterinnen versorgt, dann Krankenschwestern, medizinisches Personal und Vorerkrankte.

 

Lass Dich fairzaubern…